THOMAS BEGRICH (HRSG.)

Das schönste
Geschenk

Geschichten und Lieder
zu Advent und Weihnachten

MIT ILLUSTRATIONEN VON KLAS FAHLEN

EVANGELISCHE VERLAGSANSTALT

Leipzig

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Gesamtgestaltung: Ulrike Vetter, Leipzig

Coverillustration: Klas Fahlen, Stockholm

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2018

ISBN 978-3-374-05748-1

www.eva-leipzig.de

Vorwort

»Tröstet ihr mein Volk!« heißt es beim Propheten Jesaja – und so beginnt Händel verheißungsvoll seinen »Messias«. Doch was kann uns eigentlich trösten? Manchmal sind es die wirklich kleinen Dinge, die uns unser Herz erwärmen.

Einmal fuhr ich Weihnachten in einem überfüllten Zug nach Hause. Ein Abteil dagegen war fast leer. Der dort schlafende Hooligan-Typ schreckte die Menschen wohl ab. Aber ehe ich zwei Stunden stehe? Ich ging also hinein und kam nach einiger Zeit mit dem Typen ins Gespräch. Er erzählte mir von seiner Arbeit. Gleisbau. Immer zehn Tage hintereinander, weit weg von zu Hause. Meistens nachts und auch bei Regen, Eis und Schnee. »Was haben Sie für eine schwere Arbeit!«, versuchte ich ihn zu bedauern – da strahlte er mich wie von innen leuchtend an und sagte: »Wissen Sie, wie schön es ist, wenn die Züge rollen?« Da hat er mich getröstet, weil mein Mitleid so fehl am Platze war …

Dieser Band ist eine Zusammenstellung einiger altbekannter und neuer Weihnachtsgeschichten sowie einiger der schönsten Weihnachtslieder. Sie wollen allesamt auch ein wenig trösten. Sie sollen uns hoffnungsvoll in die Advents- und Weihnachtszeit mit hineinnehmen.

Alle Jahre wieder feiern wir Weihnachten, alle Jahre wieder freuen wir uns an dem Wunder der Adventszeit, an der frohen Erwartung, an den Düften und – wenn er überstanden ist – sogar an dem Stress! Wenn es draußen dunkel wird, ist dies irgendwie doch die schönste Jahreszeit – nicht einmal der Frühling ist dann so schön. Und Weihnachtsgeschichten? Sie gehören einfach dazu! Sie sind dazu da, uns in dieser Zeit ein wenig auf das Eigentliche der Weihnachtszeit vorzubereiten: Es geht ja um die Ankunft unseres Herrn, die Geburt Jesu Christi. Wir feiern das alle Jahre wieder und denken alle Jahre wieder daran, was uns diese Zeit, dieses Fest bedeuten kann. Dabei helfen uns auf wunderbare Weise die vielen, vielen Weihnachtsgeschichten, die in den vergangenen Jahrhunderten, Jahrzehnten und auch heute wieder geschrieben werden. Es ist das Eigentümliche dieser Geschichten, dass sie uns letztlich immer von der Dunkelheit zum Licht führen. So enden sie fast immer mit einer kleinen froh machenden Überraschung. Sie gehen eben gut aus – wenn auch manchmal ungeahnt und unerwartet. Damit vermögen sie es tatsächlich, uns ein klein wenig über manches, das uns belasten mag, hinwegzutrösten.

Das soll so sein: Denn Weihnachten will uns deutlich machen, dass Gott es mit uns und mit unserer Welt eben gut ausgehen lassen will! Darum ist es schön, wenn wir immer wieder alte und neue Weihnachtsgeschichten lesen können, für uns allein im Stillen oder noch schöner in der Gemeinschaft. Solche Geschichten der Familie vorzulesen oder im Freundeskreis: Das ist auf besondere Weise einfach wunderbar! Wir rücken zusammen und denken daran, dass Gottes Geschenk das schönste Geschenk ist. Und ganz wunderbar ist so ein Geschenk erst, wenn man ein klein wenig davon weitergibt!

Frohe Weihnachten!

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Das Wort

Hilde Domin Die Weihnachtsbotschaft

Die Texte der Bibel

Es begab sich aber zu der Zeit

Heinrich Heine Die Heiligen Drei Könige aus Morgenland

Rudolf Otto Wiemer Das Auge, auf dem man blind ist

Eva Zeller Die Hebamme des Herrn

Selma Lagerlöf Die Heilige Nacht

Dietrich Mendt Balduin und das Heu

Thomas Begrich Vom Esel, der gut lachen hatte

Dass alle Welt geschätzet würde

Rudolf Otto Wiemer Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein

Otfried Preußler Die Könige aus dem Hüttendorf

Siegfried Lenz Budzereit wird überrascht

Thomas Begrich Weihnachten bei der NVA

Behielt aber alle diese Worte

Gisela Lange Pyramidenspiel

Dietrich Mendt Das andere Weihnachten

Thomas Begrich Die Weihnachtsfrage

Gabriele Herbst Das Stroh

Ulrich Knellwolf Drei Könige ihrer Branche

Rafik Schami Die Geburt

Bernd Kurt Götz Der Weihnachtsmann als Rosenkavalier

Da hüpfte das Kind vor Freude

Theodor Storm Knecht Ruprecht

Gebrüder Grimm Die Sterntaler

Hans Christian Andersen Der Tannenbaum

Friedrich Wolf Die Weihnachtsgans Auguste

Herta Fischer Fitzibum

Rafik Schami Wie der Weihnachtsmann einmal ohne Bart auf die Erde kam

Gabriele Herbst Die Schale

Lobgesang

Tochter Zion, freue dich

Tröstet, tröstet, spricht der Herr

Maria durch ein Dornwald ging

Leise rieselt der Schnee

Was soll das bedeuten

Vom Himmel hoch

Auf dem Berge, da gehet der Wind

Stille Nacht

Ich steh an deiner Krippen hier

O du fröhliche

Da machten sich auf

Die Autoren

Quellenverzeichnis

Das Wort

Hilde Domin

Weihnachtsbotschaft

Die Heiliggeistkirche hell erleuchtet …

Das Johannesevangelium.

Am Anfang war das Wort.

Dann das Lukasevangelium.

Und der Engel mit dem Schwert gab in

dieser Nacht die Paradiespforte wieder frei.

»Die Tür zum Paradies« hieß es. Ich hatte es mir nie überlegt,

dass es ja weiter bewacht und verboten ist.

Das war für mich die Weihnachtsbotschaft:

dass in dieser Nacht der Cherub den Wachposten räumte.

Die Texte der Bibel

Die Verheißung des Friedensfürsten

Bei dem Propheten Jesaja im 40. Kapitel:

Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat die volle Strafe empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden. Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des Herrn Mund hat’s geredet.

Und bei dem Propheten Jesaja im neunten Kapitel:

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.

Im Anfang war das Wort

Bei dem Evangelisten Johannes im ersten Kapitel:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Der kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeuge, auf dass alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt erkannte es nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus menschlichem Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeugt von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat es verkündigt.

Die Verheißung der Geburt Jesu

Bei dem Evangelisten Lukas im ersten Kapitel:

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach:

Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir!

Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das?

Und der Engel sprach zu ihr:

Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.

Da sprach Maria zu dem Engel:

Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß?

Der Engel antwortete und sprach zu ihr:

Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, sie, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.

Maria aber sprach:

Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.

Und der Engel schied von ihr.

Marias Besuch bei Elisabeth (Mariä Heimsuchung)

Bei dem Evangelisten Lukas im ersten Kapitel:

Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief laut und sprach:

Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! Und wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe.

Ja, selig ist, die da geglaubt hat! Denn es wird vollendet werden, was ihr gesagt ist von dem Herrn.

Marias Lobgesang

Bei dem Evangelisten Lukas im ersten Kapitel:

Und Maria sprach:

Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes;

denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.

Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.

Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.

Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten.

Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.

Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.

Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.

Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.

Die Geburt Jesu Christi

Bei dem Evangelisten Matthäus im ersten Kapitel:

Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenkamen, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen. Als er noch so dachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach:

Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.

Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.

Und bei dem Evangelisten Lukas im zweiten Kapitel:

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Her berge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Die Weisen aus dem Morgenland

Bei dem Evangelisten Matthäus im zweiten Kapitel:

Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:

Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.

Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): »Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«

Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete.

Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Die Flucht nach Ägypten

Bei dem Evangelisten Matthäus im zweiten Kapitel:

Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach:

Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.

Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«

Der Kindermord des Herodes

Bei dem Evangelisten Matthäus im zweiten Kapitel:

Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht (Jeremia 31,15): »In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.«

Die Rückkehr aus Ägypten

Bei dem Evangelisten Matthäus im zweiten Kapitel:

Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten und sprach:

Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben.

Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam in das Land Israel. Als er aber hörte, dass Archelaus in Judäa König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing er einen Befehl und zog ins galiläische Land und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazoräer heißen.

Die Verheißung

Bei dem Propheten Sacharja im neunten Kapitel:

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.

Es begab sich aber
zu der Zeit

HEINRICH HEINE

Die Heiligen Drei Könige
aus Morgenland

Die Heiligen Drei Könige aus Morgenland,

sie frugen in jedem Städtchen:

»Wo geht der Weg nach Bethlehem,

ihr lieben Buben und Mädchen?«

Die Jungen und Alten,

sie wussten es nicht,

die Könige zogen weiter;

sie folgten einem goldenen Stern,

der leuchtete lieblich und heiter.

Der Stern blieb stehen über Josefs Haus,

da sind sie hinein gegangen;

das Öchslein brüllte, das Kindlein schrie,

die Heiligen Drei Könige sangen.

RUDOLF OTTO WIEMER

Das Auge,
auf dem man blind ist

Merkwürdig, da ist man nun seit dreißig Jahren Wirt im »Fünfzackigen Stern«, und man hat so gut wie alles erlebt, was auf der Welt vorkommt, Wasser, Feuersbrünste, Heuschrecken, dazu die römische Einquartierung, und dass im Hause des Leviten über Nacht ein trockener Stecken zu grünen anfing – das alles habe ich erfahren, aber man lernt doch nie aus. Wer hätte gedacht, dass man zugleich blind und sehend sein kann?

Ja, das ist eine Geschichte, die man nicht genau genug erzählen kann, obwohl ich nicht zu den schwatzhaften Wirten mich rechne, wie die anderen es sind, denen »Die Straße der Weisheit« und »Der nie versiegende Brunnen« gehört, gewiss vornehmere Lokale; dafür bin ich umsichtig und praktisch. Ich höre, wie man zu sagen pflegt, das Gras wachsen und habe den »Fünfzackigen Stern« aus eigener Kraft zu Glanz und Ansehen gebracht.

Freilich ist es mit Höflichkeit allein nicht getan, man muss auch hart sein können. Wohin käme ich, wenn ich auf jeden Bittsteller hereinfiele? Ein schlechter Wirt, der nicht auf einem Auge blind sein kann! Und das war ich zum Glücke von je.