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Irena Zeltner Pavlović, Martin Illert (Hrsg.)

OSTKIRCHEN UND REFORMATION 2017

BEGEGNUNGEN UND TAGUNGEN IM JUBILÄUMSJAHR

Band 1: Dialog und Hermeneutik

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

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© 2018 by Evangelische Verlagsanstalt GmbH · Leipzig

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Cover: Kai-Michael Gustmann, Leipzig

Satz: 3W+P, Rimpar

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2018

ISBN 978-3-374-05948-5

www.eva-leipzig.de

Karolo Christiano Felmy

praeceptori doctissimo

ad diem natalem

anno LXXX aetatis suae

VORWORT

Der vorliegende Band erscheint als erster von insgesamt drei Dokumentationen zu »Ostkirchen und Reformation im Jubiläumsjahr 2017«. Der Band enthält die Beiträge von zwei internationalen theologischen Tagungen aus dem 500. Jubiläumsjahr der Reformation 2017 und dokumentiert in seinem Anhang eine bilaterale theologische Dialogbegegnung zum Thema »Reformation«.

Mit der ersten theologischen Tagung, dem Symposium »Hermeneutik und Hermeneuten« (Erlangen, 21.–23. April 2017), erinnerte die Evangelische Kirche in Deutschland gemeinsam mit dem Institut für Theologie und Geschichte des Christlichen Ostens und der Abteilung Christliche Publizistik des Fachbereichs Theologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg an die Erlanger Ostkirchenkundlerin Fairy von Lilienfeld (1917–2009). Von Lilienfeld war Slawistin, Germanistin und Theologin. Als Frau war sie zugleich eine Pionierin im damals noch fast exklusiv männlichen Bereich der theologischen Wissenschaft. Im Jahr 1962 war sie in Magdeburg zur Pfarrerin ordiniert worden und zur Zeit ihrer Berufung an die Erlanger Friedrich-Alexander-Universität (1966) war sie bundesweit die erste weibliche Professorin auf einem theologischen Lehrstuhl. Drei Jahre später wurde sie zur ersten weiblichen Dekanin einer Theologischen Fakultät in der Bundesrepublik. Dass der vorliegende Band auch eine Widmung an den Nachfolger Fairy von Lilienfelds, Prof. em. Dr. Karl-Christian Felmy, zu dessen achtzigstem Geburtstag enthält, verbindet auf glückliche Weise das ehrende Gedenken an Fairy von Lilienfeld mit dem Ausdruck unserer Wertschätzung für die theologische Leistung Felmys. Im Rahmen der Erlanger Tagung bot sich zudem die Gelegenheit zu einer weiteren Ehrung: Die Überreichung der Luthertafel an Patriarchalrat Erzpriester Prof. Dr. Viorel Ionita (Bukarest/Genf) für dessen langjährige Verdienste im orthodox-evangelischen Dialog fügte sich dem Tagungsrahmen auf das Beste ein, da der Geehrte selbst ein Hermeneut des Dialoges war und ist. Mir war es eine besondere Freude, diese Ehrung mit einem Schreiben zu begründen, dessen Wortlaut in der unter den Tagungsbeiträgen dokumentierten Laudatio zitiert wird.

Gut zwei Monate nach der Erlanger Tagung luden das Eichstätter Collegium Orientale und der Lehrstuhl für Fundamentaltheologie der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zum Symposium »Reformation und die Ostkirchen« (Eichstätt, 30. Juni – 01. Juli 2017). Sehr herzlich danke ich im Namen der Evangelischen Kirche in Deutschland den Veranstaltern des Symposiums, Herrn Dr. Oleksandr Petrynko und Herrn Prof. Dr. Christoph Böttigheimer, für ihre freundliche Bereitschaft, die Eichstätter Tagung an dieser Stelle in unsere Dokumentation einzubringen. In den Tagungsbeiträgen ergänzen sich auf glückliche Weise evangelische, orthodoxe und römisch-katholische sowie griechisch-katholische Sichtweisen. Diese Vielfalt der Perspektiven verleiht unserem Band eine ökumenische Weite, die den Charakter des Jubiläumsjahres 2017 als eines multilateral-ökumenischen Christusfestes sehr gut widerspiegelt.

Bereits im Jahr vor der Erlanger und der Eichstätter Tagung hatten sich die Delegationen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Rumänischen Orthodoxen Kirche zu einer bilateralen theologischen Dialogbegegnung (Stein bei Nürnberg, 22.–27. Mai 2016) versammelt. Nicht allein die Person des auf der Erlanger Tagung geehrten Viorel Ionita, sondern ebenso der inhaltliche Bezug auf das Jubiläum der Reformation, den der Dialog durch sein Thema »Die Erneuerung der Kirche« herstellte, bringen das zwischenkirchliche Dialogtreffen in eine enge Verbindung zum Erlanger und zum Eichstätter Symposium. Die Referate und das Kommuniqué des bilateralen Dialoges sollen deshalb als Anhang zu der Erlanger und der Eichstätter Tagung in diesem Band dokumentiert werden.

Den Referaten der beiden Tagungen haben die Herausgeber je eine Einführung vorangestellt, die kurze Zusammenfassungen der Einzelbeiträge enthält. Die Beiträge des im Anhang dokumentierten Dialoges werden im ebenfalls aufgenommenen Kommuniqué der Begegnung zusammengefasst. Ferner ist der Text der jüngsten bilateralen Auswertung des Dialoges zwischen EKD Rumänischer Orthodoxer Kirche, der beiden Kirchenleitungen vorgelegt und von diesen mit Dank an die Mitglieder der Dialogkommissionen angenommen wurde, den übrigen Dokumenten des Dialoges beigegeben.

Bischöfin Petra-Bosse-Huber
Leiterin der Hauptabteilung
»Ökumene und Auslandsarbeit«
im Kirchenamt der EKD

Hannover, den 19.02.2018

INHALT

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

TEIL I: HERMENEUTIK UND HERMENEUTEN. SYMPOSIUM ANLÄSSLICH DES 100. GEBURTSTAGS VON FAIRY VON LILIENFELD, ERLANGEN 21.–23. APRIL 2017

Einführung

FAIRY VON LILIENFELD ALS ÖKUMENISCHE HERMENEUTIN

Vladimir Fedorov

Fairy von Lilienfeld als Hermeneutin des ökumenischen Lebens

Evgeny Morozov

Metropolitan Nikodim (Rotov) and Fairy von Lilienfeld

Johanna Haberer

Botschafterin der Versöhnung im Spiegel der Presse

Ein Impuls

Martin Illert

Fairy von Lilienfeld als Vermittlerin des innerevangelischen Umbruchs in den Dialoggesprächen der EKD mit dem Moskauer Patriarchat

Ionut Paun

Die Gottesmutter in Hymnen und Gebeten der Orthodoxen Kirche

Fairy von Lilienfelds Beitrag zu deren Deutung

Maxim Sorokin

»Gehen oder bleiben« – Fairy von Lilienfeld und ihre Übersiedlung in den Westen im Spiegel ihrer unveröffentlichten Korrespondenz

Anhang: Briefe Fairy von Lilienfelds über ihre Übersiedlung in den Westen

Maxim Sorokin

Fairy von Lilienfeld im Spiegel ihrer unveröffentlichten russischen Korrespondenz

Anhang: Eine ausgewählte Korrespondenz Fairy von Lilienfelds (1917–2009)

HERMENEUTEN DER OSTKIRCHE

Martin Illert

Laudatio auf Viorel Ionita anlässlich der Überreichung der Luthertafel

Reinhard Thöle

Einige Streiflichter auf die evangelische Ostkirchenkunde

Gisa Bauer

»Wir gaben einander damals das Wort, daß wir diese Erfahrung der vereinigenden Kraft Christi nicht vergessen wollten.« – Hildegard Schaeder (1902–1984)

Hacik Rafi Gazer

Konrad Onasch und Herman Goltz

Zwei Hallenser Blicke auf den christlichen Osten

Andreas Müller

Friedrich Heyer als Förderer des orthodox-evangelischen Dialoges (1908–2005)

Karl Pinggéra

Friedrich Heiler – Ernst Benz – Peter Kawerau

Drei Marburger Blicke auf den Christlichen Osten

Karl Christian Felmy

Starec Amvrosij (Grenkov) vom Kloster Optina Pustyn’

Fairy v. Lilienfeld zum Gedächtnis

HERMENEUTIK UND DIALOG

Reinhard Thöle

Apophatischer Ökumenismus

Viorel Ionita

Der bilaterale theologische Dialog zwischen der EKD und der Rumänischen Orthodoxen Kirche

Auswertung und Perspektiven

Rade Kisić

Die gemeinsame Lutherisch-Orthodoxe Kommission − Rückblick und Perspektiven

Irena Zeltner Pavlović

Imagining Orthodoxy

Eine postkoloniale Beobachtungsperspektive der Repräsentation des religiös Anderen

Ekatherini Tsalampouni

Greek Orthodox Biblical Exegesis

Retrospect and Prospects

Wolfgang Schoberth

Sola Scriptura? Protestantische Anmerkungen in ökumenischer Absicht

REFORMATION UND OSTKIRCHEN. WISSENSCHAFTLICHES SYMPOSIUM, COLLEGIUM ORIENTALE, EICHSTÄTT 30.06. – 01.07.2017

Einführung

PERSPEKTIVEN AUF BEGEGNUNG UND DIALOG

Martin Illert

Zwei Sichtweisen auf die Beziehung zwischen Reformation und Orthodoxie

Philipp Melanchthons Brief an Patriarch Joasaph II und Johann Christian Bütners Schreiben an August Hermann Francke

Kyrillos (Katerelos) Bischof von Abydos

Der Dialog der Orthodoxen Kirche mit dem Lutherischen Weltbund (LWB)

Bewertung und Aussichten

Reinhard Thöle

Zwischen Versuchung und Verheißung

Beobachtungen zum »Großen und Heiligen Konzil der Orthodoxen Kirche« auf Kreta 2016 aus lutherischer Sicht

Andriy Mykhaleyko

Reformation und die Entstehung der Unionen der orthodoxen Kirchen mit Rom in Ostmitteleuropa am Beispiel Polen-Litauens

Philipp Walter

Eine evangelische Kirche der byzantinischen Tradition

Die ukrainisch-lutherische Kirche

THEOLOGIEN IM DIALOG

Heta Hurskainen

Theosis und Rechtfertigung

Ein Blick auf die lutherisch-orthodoxen ökumenischen Gespräche

Christoph Böttigheimer

Schrift und Tradition im Blick auf Katholizismus, Orthodoxie und Protestantismus

Vasil Rudeyko

Byzantinisch-lutherische Liturgie im Kontext der Liturgischen Bewegung des ostslawischen Christentums des 20. Jahrhunderts

»ERNEUERUNG DER KIRCHE« – XIV. BILATERALER THEOLOGISCHER DIALOG ZWISCHEN DER EVANGELISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND UND DER RUMÄNISCHEN ORTHODOXEN KIRCHE

Kommuniqué der vierzehnten Begegnung im bilateralen theologischen Dialog zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Rumänischen Orthodoxen Kirche (Goslar XIV)

Petra Bosse-Huber

Begrüßung der Teilnehmer des bilateralen Dialoges

Stelian Tofana

Die Erneuerung des Menschen in der paulinischen Theologie

Karl-Wilhelm Niebuhr

Gottes neues Volk in Gottes neuer Welt – Die Zukunft der Kirche bei Paulus/Bibelarbeit

Constantin Patuleanu

Die Erneuerung des Lebens der Gläubigen bei den kappadokischen Kirchenvätern

Martin Illert

»Im Irrgarten der Macariushomilien«

Evangelische Bilder der Ostkirche zwischen Inspiration zur Erneuerung und Projektion am Beispiel der Homilien des Makarios

Ioan Tulcan

Die heiligen Mysterien/Sakramente als Mittel der Erneuerung der Kirche

Reinhard Thöle

Die Erneuerung der Kirche im Gottesdienst

Daniel Benga

Theologische Kulturen und Identitäten im Dialog

Die Reformation Martin Luthers und ihre Widerspiegelung in der orthodoxen Theologie

Senta Zürn

Ökumenische Erfahrungen als Quelle der Erneuerung der Kirche

Viorel Ionita/Ion Vicovan

Die missionarische Erneuerung der Rumänischen Orthodoxen Kirche heute

Birgit Schlegel

Erneuerung der Kirche als pastorale Aufgabe

Anna-Maria aus der Wiesche

Geistliche Gemeinschaften als Quelle der Erneuerung in der Evangelischen Kirche

Dialog einer wachsenden Dienstgemeinschaft

Gemeinsamer Bericht an die Kirchenleitungen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Rumänischen Orthodoxen Kirche über den Stand ihres bilateralen theologischen Dialogs

Autorinnen und Autoren

Register

TEIL I: HERMENEUTIK UND HERMENEUTEN.
SYMPOSIUM ANLÄSSLICH DES 100. GEBURTSTAGS VON FAIRY VON LILIENFELD, ERLANGEN 21.–23. APRIL 2017

EINFÜHRUNG

Die Beiträge des Erlanger Symposiums stellen in einem ersten Teil Fairy von Lilienfeld als ökumenische Hermeneutin dar. Hier kommen Zeugnisse zu Wort, die die Persönlichkeit von Lilienfelds erinnernd würdigen. Ihre nachhaltige ökumenische Wirkung als Professorin für Theologie und Geschichte des Christlichen Ostens (1966–1984) veranschaulichen die orthodoxen und evangelischen Zeugnisse, die die Dokumentation eröffnen. Vladimir Fedorov charakterisiert von Lilienfeld in seinem persönlichen Erfahrungsbericht als »herausragende Kennerin der Orthodoxie und russischen Kultur in all ihren Aspekten«, die durch die »Gabe der Liebe« Vorurteile abbaute und als »Apostelin der Ökumene« und »spirituelle Lehrerin« wirkte. Als leitende Prinzipien ihres ökumenischen Handelns markiert Fedorov ihre Liebe, ihr Verstehen, ihre Fürsorge, ihr Interesse für die Anderen sowie ihr außergewöhnliches Einfühlungsvermögen. Evgeny Morozov bestätigt viele Facetten dieses Bildes durch seinen Beitrag zu den Kontakten zwischen Metropolit Nikodim (Rotov) und von Lilienfeld, die einander als Dialogpartner in den »Arnoldshainer Dialogen« begegneten. Johanna Haberer stellt die Berichterstattung der Presse über die Theologin dar, die als eine der ersten ordinierten Frauen der bayerischen Landeskirche und als Kulturhermeneutin der evangelisch-orthodoxen Begegnungen als publizistische Sensation galt. Martin Illert beschreibt die Rolle von Lilienfelds im bilateralen Dialog der EKD mit dem Moskauer Patriarchat als Vermittlerin des innerevangelischen Umbruchs gegenüber den orthodoxen Gesprächspartnern und unterstreicht dabei von Lilienfelds bis heute relevanten Ansatz der gegenseitigen Wahrnehmung der Gesprächspartner als einer »ekklesialen Größe«. Dass von Lilienfeld den orthodoxen Gottesdienst dementsprechend immer wieder ins Zentrum ihrer Untersuchungen stellte, zeigt Ionut Paun am Beispiel von Lilienfelds Deutung der Rolle der Gottesmutter in Hymnen und Gebeten der Ostkirche. Anhand von vielen Details illustriert Pauns Beitrag von Lilienfelds hochsensibles Wirken als »Übersetzerin« zwischen den Theologien und Kulturen. Maxim Sorokin schildert anhand bisher unveröffentlichter Korrespondenz von Lilienfelds Umzug nach Westdeutschland, der für sie eine Übersiedelung aus »der Zone des Schweigens« in die wissenschaftliche Freiheit bedeutete, gleichzeitig auch von zahlreichen Sorgen begleitet war. In einem weiteren Text dokumentiert Sorokin die persönliche Korrespondenz Lilienfelds mit ihren russischen wissenschaftlichen Kontakten. Dabei ist vor allem die Korrespondenz mit dem Byzantinisten Alexander Každan bemerkenswert.

Das zweite Kapitel Hermeneuten der Ostkirche betrachtet Hermeneutinnen und Hermeneuten des Dialoges zwischen Ostkirche und Protestantismus, die im orthodoxen und evangelischen Kontext vor, neben oder nach Fairy von Lilienfeld wirkten. Im Anschluss an eine Laudatio von Martin Illert für Viorel Ionita, der im Rahmen des Erlanger Symposiums für seine langjährigen Verdienste im bilateralen Dialog geehrt wurde, beschreibt Reinhard Thöle die Bedeutung des Bildes des Anderen für die Konstruktion der konfessionellen Identitäten. Mit der Profilierung der evangelischen Identität veränderten sich auch die Orthodoxiebilder im Laufe der Geschichte. Anknüpfend an die in Halle erarbeiteten Zugänge zur Ostkirche, hebt Thöle sein Verständnis der Ostkirchenkunde als einer dialogischen Begegnungswissenschaft hervor, in der das Bild des Anderen als korrektive Dynamik für das Selbstbild betrachtet wird. Gisa Bauer untersucht die Hermeneutik von Hildegard Schaeders, die ab 1948 als Orthodoxiereferentin im Kirchlichen Außenamt tätig war und in dieser Zeit die Dialoge zwischen der EKD und dem Moskauer Patriarchat anbahnte, vor- und nachbereitete. Schaeder suchte nach dem Brückenschlag zwischen West- und Ostkirche, wobei ihre theologische bzw. ökumenische Hermeneutik durch die Erfahrung der Christen aller Konfessionen in den Konzentrationslagern motiviert war. Hacik Rafi Gazer widmet sich der Hermeneutik der beiden Hallenser Konfessionskundler Konrad Onasch und Hermann Golz. Onasch, in dessen Schriftenreihe von Lilienfeld ihre Dissertation veröffentlichte, sah die orthodoxe Kirche »als eine real andere, in diesem Anderssein nicht negierbare« Größe an und nahm ihre Tradition dementsprechend ernst, ohne vorschnell die Analogien und Komplementaritäten zwischen Protestantismus und Orthodoxie zu postulieren. Sein Schüler und Nachfolger, Hermann Goltz, vertrat das hermeneutische Prinzip der »unähnlichen Ähnlichkeit« der beiden Theologien. Andreas Müller stellt in seinem Beitrag den Heidelberger Konfessionskundler Friedrich Heyer vor. Dabei greift Müller auf Heyers Autobiografie und auf persönliche Erfahrungen mit Heyer zurück. Die Hermeneutik des Ostkirchenkundlers bezeichnet Müller als »eine Hermeneutik des empathischen Hinschauens«, die von dem »verstehenden Wahrnehmen« getragen ist. Karl Pinggéra stellt mit Friedrich Heiler, Ernst Benz und Peter Kawerau drei Marburger Theologen vor, die sich dem Christlichen Osten zuwandten. Für den hochkirchlich gesinnten Religionsgeschichtler Heiler stand die Wertschätzung der apostolischen Überlieferung und des liturgischen Erbes im Vordergrund, während der Kirchenhistoriker Ernst Benz in kulturhistorischer Absicht theologie- und geistesgeschichtliche Leitmotive wie die abendländische Sendung des russischen Christentums herausarbeitete. Peter Kawerau konzentrierte sich hauptsächlich auf die philologische Erschließung der syrischen und christlich-arabischen Überlieferung und stand der ökumenischen Bewegung insgesamt skeptisch gegenüber. Seine energische Forderung, den eurozentrischen Standpunkt in der Kirchengeschichte zu überwinden, könnte in der von postkolonialen Diskursen bestimmten Gegenwart neue Aktualität erfahren. Karl Christian Felmy berichtet über Starec Amvrosij (Grenkov) vom Optina–Kloster, der nach Ansicht Felmys in der »Verbindung von Wissenschaft, kulturellem Leben und tiefer Verwurzelung in ihrer Kirche« bemerkenswerte Gemeinsamkeiten mit von Lilienfeld aufweist. Neben diesen Gemeinsamkeiten sieht Felmy beide auch durch ihr Interesse an asketischer Vätertheologie verbunden. Die besondere Stärke von Starec Amvrosij liege allerdings in dessen Profilierung der »seelsorgerischen Dimension der orthodoxen Theologie«.

Im dritten thematischen Schwerpunkt Hermeneutik und Dialog werden die historischen, aktuellen und zukunftsorientierten Reflexionen der interkonfessionellen und interkulturellen Hermeneutik des Dialogs dargestellt. Im Text Apophatischer Ökumenismus deutet Reinhard Thöle das Dokument Beziehungen der orthodoxen Kirche zu der übrigen christlichen Welt der orthodoxen Synode auf Kreta (2016) als einen theologischen Ansatz, der die Einheit der Kirchen nicht als Produkt theologischer Übereinstimmung sondern als »Geschehen der Gottesoffenbarung« erwartet. Der Text verdeutliche, dass das ökumenische Handeln und die ökumenische Theologie als »Darbringung« zu verstehen sei, die mit der Hoffnung zur »Verwandlung« durch Gott werde. Dieser Perspektive geht eine geistliche Haltung voraus, die einen »Verzicht auf Macht, Machtspiele und Tricksereien«, einen »Verzicht auf Recht, Rechthaberei und Apologetik«, bedeutet. Der christlich-orthodoxe Theologe Viorel Ionita, dem im Rahmen des Symposiums für seine langjährige und konstruktive Zusammenarbeit im Dialog zwischen der Rumänisch-Orthodoxen Kirche (RumOK) und der EKD die Luthertafel überreicht wurde, zieht im Rückblick auf diese Dialoge eine positive Bilanz. Die Dialoge hätten gezeigt, »wieviel die Orthodoxen mit anderen Kirchen gemeinsam haben«. Die RumOK gehöre zu den orthodoxen Kirchen, die nach den Umbrüchen der 1990er Jahre das ökumenisch-dialogische Handeln in gelungener Art und Weise fortgesetzt habe. Durch die Veränderung des politischen Umfelds hätten sich dabei auch die Themen des bilateralen Dialogs von theologischen hin zu sozial-ethischen Fragestellungen verändert. Für die Zukunft fordert Ionita die Stärkung der Rezeption der Dialogergebnisse.

Den aktuellen Herausforderungen und den Zukunftsperspektiven des lutherisch-panorthodoxen Dialoges widmet sich Rade Kisić. Eine Herausforderung besteht nach Kisic in der Arbeitsweise der Kommission, die den Konsens erarbeiten wollen. Werden Konsenstexte »indexialisch« (Harold Garfinkel) ohne ihren jeweiligen konfessionellen Sinnzusammenhang verwendet, droht ihr Sinngehalt verloren zu gehen. Aus diesem Grund fordert Kisic eine stärkere Auseinandersetzung mit den Einheitskriterien der jeweiligen Kirchen sowie ihren sozialethischen Fragestellungen. Irena Zeltner Pavlović thematisiert die problematische Repräsentation der östlichen Orthodoxie, die im Rahmen des Orientalismus- bzw. Byzantismus-Diskurses konstruiert und zur westlichen Identitätsbildung instrumentalisiert wird. Dabei wird in Manier eines binären Reduktionismus das Selbstbild positiv und das Bild des Anderen in Abgrenzung negativ gezeichnet/ konnotiert. Die cultural turn(s) der Kultur- und Sozialwissenschaften, von denen besonders der postcolonial turn im Beitrag hervorgehoben wird, der in der jüngsten Zeit auch die Südosteuropaforschung erreicht hat, bieten sich dabei als fruchtbare theoretische Reflexionsfläche zur Beobachtung des religiös Anderen sowie als Korrektiv der stereotypen Darstellungen der christlichen Orthodoxie an. Darüber hinaus fördert diese Theorie einen Betrachterhabitus des Forschenden, in dem der eigene Normalitätshorizont in der (Be-)Urteilung des Anderen nach dem eurozentrischen Motto Wie im Westen, so auf Erden (Wolfgang Sachs) relativiert oder, in der Sprache der Postkolonial Studies ausgedrückt, »provinzialisiert« (Dipesh Chakrabarty) wird.

Die beiden abschließenden Beiträge beschäftigen sich mit dem Spannungsfeld von Bibel, Evangelium und Hermeneutik. Der biblischen Hermeneutik der Orthodoxen Kirche widmet sich Ekaterini Tsalampouni. Als wichtigstes hermeneutisches Prinzip hebt sie den Zusammenhang zwischen Bibel und Kirche sowie der kirchlichen Tradition hervor. Trotz dieses hohen ideellen Stellenwertes würde die Bibel und ihre wissenschaftliche Exegese in der Praxis marginalisiert. Dies könne sich durch einen kreativen Umgang mit patristischen Autoren und mit neuen hermeneutischen Methoden ändern. Die Herausforderung der heutigen orthodoxen biblischen Hermeneutik bestehe darin, ihren ekklesiologischen Referenzrahmen beizubehalten, ohne dabei ihre prophetische Autorität und eschatologische Perspektive zu verlieren. Ausgehend von einem Verständnis der Theologie im Bewusstsein der Ökumene, wonach die Bereitschaft zu selbstkritischen Überprüfungen eigener theologischer Tradition und Gegenwart gehöre, behandelt Wolfgang Schoberth die protestantische sola-scriptura-Formel. Hatte die klassische, reformatorische Lehre damit die Autorität des Evangeliums (nicht der Bibel) hervorgehoben, wurde sie im Laufe der Theologiegeschichte durch das »Schriftprinzip«, im Rahmen der altprotestantischen Theologie verengt, was zur späteren »Krise des Schriftprinzips« führte. Auch die neuprotestantische subjektivistische Leseart von einer »Unmittelbarkeit zwischen Leser und Text« zeuge von einer einseitigen Rezeption der klassischen Lehre, die sich als eine »Fiktion der Unmittelbarkeit« entlarvt. Schoberth deutet das reformatorische sola scriptura ekklesiologisch fundiert. Es verweise »auf das lebendige Geschehen, in dem sich das Evangelium in der Kirche zur Geltung bringt«. Die Kirche als creatura verbi bedeutet nach dieser Auffassung, dass sie nicht durch den Bibeltext, sondern durch das Wort Gottes und die Verkündigung des Evangeliums entsteht und davon lebt. Durch diese Beobachtungsperspektive verliere die Formel sola scriptura ihren interkonfessionell kontroverstheologischen Charakter und könne deshalb nicht länger als »konfessionelles Abgrenzungskriterium« herangezogen werden.

FAIRY VON LILIENFELD ALS ÖKUMENISCHE HERMENEUTIN

FAIRY VON LILIENFELD ALS HERMENEUTIN DES ÖKUMENISCHEN LEBENS

Vladimir Fedorov

Heute spricht man viel über die ökumenische Hermeneutik und nur selten über die Hermeneutik des ökumenischen Lebens. Natürlich ist es wichtig, eine ökumenische Hermeneutik zu entwickeln, um sich nicht in kontroverse Detailfragen zu verrennen. Das Studiendokument von »Glauben und Kirchenverfassung« Ein Schatz in zerbrechlichen Gefäßen (1999) gibt dazu wichtige Anregungen. Es versteht sich als Anleitung zu ökumenischem Nachdenken über Hermeneutik. Mein Beitrag bezieht sich aber nicht auf die ökumenische Hermeneutik, sondern auf die Hermeneutik des ökumenischen Lebens.

Nicht allein Texte, sondern alle menschlichen Schöpfungen tragen einen Sinn in sich, den herauszulesen eine hermeneutische Aufgabe ist. Auch die Reflexion der Bedingungen des Auslegens, Deutens und Verstehens nicht-textgebundener Werke der Musik und ihrer Interpretation oder der Werke der Bildenden Kunst wird Hermeneutik genannt.

Den Sinn der Ökumene zu suchen ist ähnlich schwer wie den Sinn des Lebens zu suchen. Es ist schwierig aber nötig. Viele Jahre verstand ich Ökumene als Zusammenarbeit in der christlichen Mission. Heute bleibe ich bei diesem Verständnis, doch ich verstehe Mission viel breiter als früher. Vor 30 Jahren las ich zum ersten Mal die Worte der Hl. Teresa Benedicta a Cruce (Edith Stein): »Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott«. Seitdem bedeutet christliche Mission für mich, die Wahrheit zu suchen und anderen bei ihrer Suche zu helfen. Für mich war Fairy von Lilienfeld in diesem Sinne wie eine Apostelin der Ökumene und ihre Botschaft teilte sie über ihre persönliche Erfahrung mit. Dazu benutzte sie alle ihre Gaben: intellektuelle, emotionale, spirituelle und als wichtigste Gabe die Gabe der Liebe. Eine Begegnung mit einer so tiefen Persönlichkeit und ihren reichen Gaben verändert Stereotypen und Vorurteile, die man zuvor von der anderen konfessionellen Kultur besessen hat. Fairy von Lilienfelds Kunst, dem anderen die eigene Erfahrung anzuvertrauen, machte sie zu einer Hermeneutin des ökumenischen Lebens.

Eine so tiefe, gewichtige und lange Erfahrung des Umgangs mit einem Menschen, der in meinem Leben eine entscheidende Rolle gespielt hat, in Worte zu fassen, ist alles andere als einfach. Von den Menschen, die mir in meinem Leben begegnet sind, haben mich viele beeinflusst, einige von ihnen aber sind mir in diesen Begegnungen zu spirituellen Lehrern geworden. In der Orthodoxie kennen wir den geläufigen Begriff des »Geistlichen Vaters« und verstehen darunter in erster Linie den Priester, der die Beichte abnimmt und mit seinem Rat das spirituelle Leben seiner geistlichen »Kinder« begleitet. Mir scheint, dass es im Hinblick auf unser spirituelles Leben viele »Eltern« gibt, nicht nur Geistliche und die eigenen Eltern, sondern jede Persönlichkeit, die einen geistigen Einfluss auf einen Menschen ausübt, der sich auf dem Weg der Reifung befindet (was sich ja bis zu den letzten Lebenstagen hinziehen kann). Streng genommen sollte man das Gebot, den Eltern wie allen geistlichen Lehrern Achtung entgegenzubringen, in diesem Sinn verstehen. Dann wird die Achtung, die man seinen geistlichen Eltern erweist, zur Heimatliebe, d. h. zur Achtung und zum Dienst gegenüber der Kultur, in der man erzogen wurde und aufgewachsen ist, und zur eigentlichen Erfüllung des Gebots des Mose. Und praktisch alle guten Eltern, Lehrer, Pädagogen sind Hermeneuten. Der Pädagoge schafft durch Reflexion den Transfer vom Gegenstandsverständnis zu einem erweiterten Vorverständnis, das er anwenden kann, wenn er erneut in eine solche Situation kommt bzw. sich mit einem ähnlichen oder gleichem wissenschaftlichen Sachverhalt beschäftigt.

Ohne meine geistlichen Lehrer klassifizieren zu wollen, kann ich doch nicht umhin, hervorzuheben, dass einer meiner bedeutendsten Lehrer Metropolit Nikodim war, der seinen Segen dazu gab, dass ich in das geistliche Seminar eintrat, und der bis heute, 39 Jahre nach seinem Tod, eine höchste geistliche Autorität für mich geblieben ist. Er war es auch, dem ich die Bekanntschaft mit einer anderen Persönlichkeit verdanke, die auf mich einen außergewöhnlich bedeutenden Einfluss hatte: eine Pastorin der Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Professorin der theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg und herausragende Kennerin der Orthodoxie und der russischen Kultur in all ihren Aspekten, Frau Fairy von Lilienfeld.

Die erste Begegnung mit ihr fand im Jahr 1978 statt, als ich 33 Jahre alt war; damals ermöglichte Metropolit Nikodim es zwei Priestern, Lehrern des Leningrader Geistlichen Seminars, auf Einladung der Deutschen Bischofskonferenz der Römisch-Katholischen Kirche eine Reise nach Deutschland zum Ostkirchlichen Institut Regensburg anzutreten. Mein Mitbruder war jünger als ich, aber erfahrener im kirchlichen Leben (damals war er Priestermönch, heute ist er, Feofan Galinskij, Erzbischof von Berlin und Deutschland), und ich glaube, dass er nicht so ängstlich war wie ich, als ich erstmals zuerst ein katholisches, dann ein protestantisches Milieu kennenlernte. Das kam daher, dass zur Zeit meiner Eingliederung in die Kirche, als ich 18–19 Jahre alt war, die Bücher des Hl. Feofan Zatvornik und des Hl. Ignatij Brjancianinov, die damals noch nicht heiliggesprochen, aber in Russland hoch verehrt waren, einen starken Einfluss auf mich ausgeübt hatten. Ich war sehr gespannt auf die Katholiken und Protestanten, aber auch ein wenig hochmütig (wie weit entfernt waren sie doch von der Orthodoxie!). Dank des vom Direktor des Instituts, Mons. Albert Rauch, weise und liebevoll organisierten Unterrichtsprogramms im Ostkirchlichen Institut in Regensburg lernten wir schon zu Beginn unseres Aufenthalts auch Lutheraner kennen. Wir studierten insbesondere am Lehrstuhl für Geschichte und Theologie des Christlichen Ostens der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg und lernten die Lehrstuhlinhaberin Professor Fairy von Lilienfeld und ihre Assistenten kennen, die zukünftigen Professoren Karl-Christian Felmy und Erich Bryner. Das Programm des Lehrstuhls, die wunderbare Bibliothek, deren Bestand (sie enthält insbesondere vorrevolutionäre theologische Werke und Periodika) vor allem Fairy von Lilienfeld zusammengetragen hatte, das akademische Niveau der Professoren und die Liebe zur Erforschung der Orthodoxie und zur russischen Kultur machten einen tiefen Eindruck auf mich.

Schon zu Beginn der siebziger Jahre, als Student der Orthodoxen Geistlichen Akademie, hatte ich mich mit großem Interesse in das Textmaterial der Arnoldshainer Dialoge zwischen der Russischen Orthodoxen und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland vertieft und mir die Porträts der Teilnehmer genau angesehen. Dabei erweckte das Bild von Fairy von Lilienfeld mein besonderes Interesse. Diese Frau, Theologin und Pfarrerin, die so interessant über den Glauben schrieb, hatte schon damals meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Bei unserer persönlichen Begegnung in Erlangen war ich vor allem von ihrer Umgangskultur fasziniert, ihrem ungezwungenen Interesse für den Gast und Gesprächspartner, ihrer bis ins Einzelne gehenden Fürsorge und insbesondere von ihrer Sorge um unsere theologische Bildung. Nachdem sie erfahren hatte, welche Fächer wir in Leningrad lernten und welchen Fachgebieten wir uns in Deutschland zuwenden wollten, erreichte es Fairy von Lilienfeld, dass einer der Professoren der Fakultät, Prof. Seitz, uns beiden russischen Priestern spezielle Vorlesungen über Pastoralpsychologie hielt. Daraufhin fuhren wir regelmäßig nach Erlangen. Jede Begegnung mit Fairy von Lilienfeld war eine große Freude. Irgendwie war sofort ihre mütterliche Fürsorge spürbar, ebenso ihr kirchlicher Beistand und die Bereitschaft zu erklären, was uns in der lutherischen Kultur und Theologie unbekannt war, und zwar voller Geduld und in einer verständlichen Sprache. Die Gespräche und der Umgang mit ihr waren auch deshalb so produktiv, weil wir das Empfinden hatten, dass man uns – zwei jungen Priestern aus der Sowjetunion, in der sich die Staatsmacht der Kirche gegenüber sehr negativ verhielt – mit Vertrauen und Achtung begegnete. Von vielen Menschen im Westen, und nicht nur im Westen, wurde das Erscheinen junger Vertreter des Moskauer Patriarchats als eine politische Aktion empfunden, die gleichsam einen doppelten Boden hatte. In dieser Situation war das Vertrauen in die Aufrichtigkeit und Kirchlichkeit der Gäste aus einem Land hinter dem Eisernen Vorhang ein großes Geschenk.

Als Metropolit Nikodim am 5. September 1978 in den Armen von Papst Johannes Paul I. starb, legten der Nachruf, den Fairy von Lilienfeld schrieb, ebenso wie unsere Gespräche mit ihr Zeugnis von diesem Vertrauen und der Liebe zur Russischen Orthodoxen Kirche ab. Diese Thematik wird in dem bemerkenswerten Buch der Erinnerungen von Fairy von Lilienfeld Leben, Kirche, Wissenschaft und Glaube im Kapitel über Metropolit Nikodim ausgiebig behandelt. Gerade hier, am Lehrstuhl von Fairy von Lilienfeld, trafen – lange vor der Wiedervereinigung des Moskauer Patriarchats mit der Russischen Auslandskirche – zwei Priester aus Leningrad mit dem Archimandriten Mark zusammen, dem zukünftigen Metropoliten und Haupt der Eparchie der Auslandskirche in Deutschland. Nur sehr wenige Menschen hatten damals eine Ahnung von der Situation des kirchlichen Lebens in Russland, und die Erfahrungen, die Fairy von Lilienfeld in Ostdeutschland gemacht hatte, halfen ihr und uns dabei, sie besser zu verstehen.

Während der dreizehn Monate unseres Aufenthalts in Deutschland lebten wir in einer anderen Stadt und uns Stipendiaten aus Russland wurde von unserer neuen Bekannten unglaublich viel Aufmerksamkeit und Fürsorge zuteil. So lud sie uns ein und organisierte für uns einen Besuch der Vorstellung der »«Landshuter Hochzeit 1475«. Dieses Fest, das alle vier Jahre begangen wird und an dem Tausende von Menschen teilnehmen, war für uns eine herausragende Begegnung mit dem kulturellen und geistigen Leben der heutigen bürgerlichen Gesellschaft Deutschlands und wurde für die sowjetischen Gäste zu einem der eindrucksvollsten Erlebnisse unserer Deutschlandreise. Fairy von Lilienfeld kam auch zu uns nach Regensburg und machte uns in einer Stadtführung mit der mittelalterlichen Kultur Deutschlands bekannt. Praktisch sofort sprachen wir sie ebenso wie die Russen in Ostdeutschland mit dem Namen Vera Georgievna an. Damit trat das Gefühl, zwei verschiedenen Völkern anzugehören, schnell in den Hintergrund. Der leichte Akzent Vera Georgievnas verflüchtigte sich, und im Bewusstsein blieb nur die Begegnung mit einer mit der russischen Kultur sehr vertrauten Wissenschaftlerin und wunderbaren Christin.

Eine schöne und interessante Begleiterscheinung unseres Umgangs mit ihr zeigte sich auch in ihrem Bestreben, uns gerne mit ihren jungen und alten Freunden bekannt zu machen. Diese Begegnungen vertieften unsere Bekanntschaft mit Fairy von Lilienfeld selbst. Häufig war es so, dass wir einen bemerkenswerten Menschen, einen Wissenschaftler oder Geistlichen, kennenlernten und es sich dann herausstellte, dass dieser Mensch ein naher Freund von unserer geliebten Vera Georgievna war. So z. B. als zu Beginn der 1990er Jahre ein lutherischer Bischof, Georg Kretschmar, nach St. Petersburg kam – die Begegnungen mit ihm waren gleichsam eine Ergänzung und Fortsetzung der Gespräche mit Prof. Fairy von Lilienfeld. Und welche Freude war es für uns, als wir Sergej S. Averintsev kennenlernten und erfuhren, dass er ein enger Freund von Fairy von Lilienfeld war. Dieser Effekt (der Freund meines Freundes ist mein Freund) scheint mir außerordentlich bedeutsam zu sein und erklärt sich selbstverständlich aus der Einheit einer gemeinsamen geistigen Kultur. In dieser Weise durch eine neue geistige Erfahrung bereichert zu werden, erinnert an das Phänomen der Resonanz.

Natürlich ist es nicht verwunderlich, dass Menschen im Westen, die zur Russischen Kirche gehören oder sie lieben, einander auf irgendeine Weise begegnen und miteinander ins Gespräch kommen. Hier ging es jedoch um mehr: um gegenseitiges Verstehen, Freundschaft und Liebe. Daher war die Bekanntschaft mit Archimandrit Chrysostomus im Kloster Niederaltaich und mit Ilse Friedeberg, die für den Ökumenischen Rat der Kirchen Übersetzungsarbeit leistete, eine Erweiterung und Vertiefung der geistigen Erfahrung, die sich uns im Umgang mit Vera Georgievna eröffnete. Ich wusste damals nicht, dass auch Metropolit Nikodim freundschaftliche, herzliche Beziehungen zu Fairy von Lilienfeld unterhielt. Er lud sie nicht nur immer zum Mittagessen ein, wenn sie in Leningrad war, sondern schickte ihr auch Postkarten von seinen verschiedenen Konferenzen. Davon erfuhr ich erst aus ihren Erinnerungen. Die spirituelle Kompetenz dieser verschiedenen Menschen, die in meinem Bewusstsein in einer geistigen Einheit miteinander verbunden waren, habe ich intensiv wahrgenommen. An einem Jubiläum von Fairy teilzunehmen, war eine wunderbare Möglichkeit, bedeutenden Wissenschaftlern und bemerkenswerten Christen aus den verschiedensten Ländern zu begegnen. Die Fähigkeit Fairys, die verschiedensten ethnischen Kulturen und Sprachen zu verstehen und sich in sie einzufühlen, war erstaunlich. Ihre reichen Kindheitserfahrungen und die Erfahrungen ihrer Eltern – Deutschbalten, die sowohl in Russland als auch im Kaukasus, in Riga und in Pommern gelebt hatten – hatten natürlich dazu beigetragen, den Boden für diese Aufnahme- und Wahrnehmungsfähigkeit vorzubereiten. Ich empfand dies als eine besondere und seltene Gabe.

Von Anfang an überraschte mich bei Fairy von Lilienfeld, dass sie es vermochte, strenge, anspruchsvolle Wissenschaftlichkeit, das Interesse am sozialpolitischen Leben, große Belesenheit und Liebe zur Musik miteinander zu verbinden. Dazu kam die Aufmerksamkeit, die sie dem persönlichen Leben jedes Menschen entgegenbrachte, mit dem sie es zu tun hatte. Diese Aufmerksamkeit war natürlich alles andere als weibliche Neugier, auch nicht in ihrer liebenswertesten Form, sondern die besondere Gabe, sich den Menschen in einer mütterlich-schwesterlichen Weise zuzuwenden. Unverständlich bleibt mir bis heute, wie Vera Georgievna die Zeit fand, sich um die zahlreichen Bekannten, Kollegen, Freunde, Gäste aus dem Ausland zu kümmern, ihnen beizustehen und sie zu betreuen. Das überraschte mich auch im Hinblick auf ihre Beziehung zu mir selbst, der ich einer von Hunderten ihrer Bekannten aus der Russischen Orthodoxen Kirche war. Ihre Beziehung zu meiner Familie, meiner Frau und meinem Sohn war von großer Wärme, Energie, beständiger Fürsorge geprägt. Als die Umstände mich einmal zwangen, meinen siebenjährigen Sohn mit nach Deutschland zu nehmen – zu Hause in Russland fand sich niemand, bei dem er bleiben konnte -, wo ich an einer Reihe von Konferenzen teilnahm, lud Vera Georgievna uns nicht nur ein, bei ihr in Hemhofen zu wohnen – wo wir ihre wertvolle Zeit stahlen -, sondern fuhr mit uns auch in den Nürnberger Zoologischen Garten und ins Delphinarium. Wir spielten gemeinsam Kinderspiele und hörten ihr zu, wenn sie auf dem Spinett spielte oder aus dem Kinderbuch Der Struwwelpeter vorlas (was ich mit dem Tonband aufgenommen und jetzt auch aufgeschrieben habe). Diese Aufmerksamkeit für ein Kind ließ darauf schließen, dass die geistig-spirituelle Kapazität der Pfarrerin, Theologin, Wissenschaftlerin noch über ganz andere Ressourcen verfügte.

In häuslichen Gesprächen erkundigte sich Vera Georgievna mit lebhaftem Interesse nach neuen Büchern, Filmen und politischen Ereignissen in Russland. Sie las regelmäßig die Literaturnaja gazeta, die Freunde aus Russland ihr zuschickten. Damals war diese Zeitung weniger gleichgeschaltet als andere Blätter und befasste sich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Themen. Übrigens gab sie dieser Zeitung ein sehr gutes Interview: »Zeit der Wahrheit«.1

Bei einem der letzten Besuche Vera Georgievnas in Leningrad haben wir uns zusammen den Film Pokajanie (russ.: Buße) angeschaut. (Es ist ein Spielfilm des georgischen Regisseurs Tengis Abuladse. Er wurde 1984 gedreht und 1987 uraufgeführt.)

Es ist ein metaphorischer und stark sozialkritischer Film. Solche Beispiele der aktiven Bezugnahme eines Kinofilms auf das Leben, wie es in der Zeit der Perestroika möglich war, hat es – mit wenigen Ausnahmen – nicht mehr gegeben. Mit Fairy über diesen Film zu sprechen, war auch deshalb interessant, weil sie Georgien sehr nahe stand. Ihre Eltern hatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Tiflis gelebt. Sie hatte enge Freunde in Georgien, und zum Studium und zur Untersuchung der Quellen der Vita der Hl. Nina begann sie noch in vorgerücktem Alter die georgische Sprache zu erlernen, was sie dann viele Jahre lang fortgesetzt hat.

Bei ihrem letzten Besuch in Leningrad, schon nach der Perestroika im Jahr 1993, konnten wir eine Begegnung Vera Georgievnas mit Studenten des Staatlichen Pädagogischen Herzen-Instituts (heute eine Universität) organisieren. Einer Dozentin des Pädagogischen Instituts, Natalja Jurievna Sacharova, die aus Paris nach Russland zurückgekehrt war (eine Re-Emigrantin), aus einer Emigrantenfamilie stammte und als junges Mädchen mit so bedeutenden russischen Emigranten wie Berdjaev Umgang hatte, war es gelungen, einige ihrer Studenten der philologischen Fakultät und anderer Hochschulen zu einer Art Gemeinde zu vereinen, die regelmäßig die Gottesdienste in der Kirche der Orthodoxen Geistlichen Akademie besuchte. Daher war ich gut bekannt mit ihnen. Die Begegnung von Vera Georgievna mit dieser Gemeinschaft und mit Studenten anderer Hochschulen war wahrscheinlich das erste derartige Ereignis in den Mauern einer staatlichen Höheren Lehranstalt. Die Vorlesungen über Protestantismus, lutherische Theologie, ökumenische Initiativen waren sehr interessant, doch es war die Persönlichkeit von Vera Georgievna selbst, die das besondere Interesse der Studenten weckte. Von daher stellten sie ihr viele Fragen nach ihrem Leben und ihrem Schicksal. Das Erstaunlichste für sie war natürlich die Begegnung mit einer weiblichen Pfarrerin. Noch viele Jahre später erkundigten sich die Teilnehmer der damaligen Begegnung nach Fairy von Lilienfeld, die ihnen so sehr gefallen hatte. Was für ein Glück, dass wir heute auf Russisch die Erinnerungen von Fairy von Lilienfeld lesen können; Prof. Verestsciagin zeichnete sie auf und ließ diesen Text autorisieren.2 Es sind nicht einfach nur Erinnerungen, sondern für viele von uns überraschende Enthüllungen über das Leben im Nationalsozialismus, über die Möglichkeit eines geistlichen Reifungsweges in einem totalitären Regime; es sind Aufzeichnungen über wichtige Eindrücke von den Begegnungen mit Metropolit Nikodim, Archimandrit Chrysostomus, Gedanken über die protestantische Theologie, die Suche nach der christlichen Einheit, alles in allem Aspekte einer geistigen Biographie, die auch dem, der die Autorin nicht kannte, Einblick in ihre geistig-geistliche Erfahrung geben. Ich habe diese Erinnerungen mehrfach gelesen und habe dabei immer das Gefühl, spirituellen Beistand zu erfahren, und den Wunsch, an Veras großem Dienst mitwirken zu können.

In meinen fragmentarischen Erinnerungen halte ich mich nicht so sehr dabei auf, was Vera Georgievna als Theologin, Historikerin, Wissenschaftlerin geschrieben hat, sondern versuche zu zeigen, wie der Glaube, in dem Fairy lebte, in ihrem alltäglichen Verhalten, in ihrer Fürsorge, ihrer Liebe, ihrem Verhältnis zu den Tieren in Erscheinung trat. Einmal, als sie eine Zeit lang bei uns zu Gast war, wurde sie darauf aufmerksam, dass auf unserem Fensterbrett Blumen standen, was an sich sehr hübsch sei, doch unseren Kater Tom daran hinderte zu beobachten, was auf dem Hof vor sich ging! Und als Fairy nach Deutschland zurückgekehrt war, erhielten wir einige Zeit später eine Nachricht von der Post, dass ein Päckchen auf den Namen Tom Vladimirovic Fedorov angekommen sei – ein wunderbares Geschenk: Konserven mit Katzennahrung. Es war eine Zeit großen Hungers, und diese Fürsorge für unsere Katze rührte uns zu Tränen. Damals kamen viele Lebensmittelpakete aus Deutschland in Leningrad an, vor allem aus Hamburg, aber diese Aufmerksamkeit für unseren Tom war etwas ganz Einmaliges.

In den letzten Jahren gelang es mir nicht, Vera Georgievna in ihrer neuen Wohnung zu besuchen, doch in Erlangen waren wir mit der ganzen Familie bei ihr. Das Interesse an unserem Leben in Russland, an der kirchlichen und weltlichen Politik, am Leben ihrer Freunde und Bekannten war das gleiche wie immer, und ihre Rede und die Unterhaltung mit ihr waren fast ebenso lebhaft wie ein Vierteljahrhundert zuvor.

Sehr aufschlussreich im Hinblick auf ihr Verhalten und Handeln war die Teilnahme Fairy von Lilienfelds an der Organisation von zwei internationalen wissenschaftlichen Konferenzen, die der Tausendjahrfeier der Taufe Russlands gewidmet waren und in den Jahren 1988 und 1989 in Tutzing stattfanden. Wie Dr. Claus-Jürgen Roepke schreibt, war gerade sie es, die die Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit auf die Geschichte und das Schicksal der Russischen Orthodoxen Kirche lenkte: »Sie mobilisierte die internationale Wissenschaft, trat als Initiatorin von Konferenzen und Ausstellungen auf, gab Publikationen über historische und theologische Themen heraus. Mit ihren Vorträgen bereiste sie Amerika und ganz Deutschland«.3 Die beiden Konferenzen in Deutschland hinterließen bei mir einen unauslöschlichen Eindruck. Aus aller Welt waren Wissenschaftler angereist, deren besonderes Interesse der Russischen Kirche galt. An der zweiten Konferenz nahm auch Alexander Men’ als Mitglied der Delegation der Russischen Orthodoxen Kirche teil. Seinem Andenken ist die Publikation der Materialien dieser Konferenz gewidmet. Vera Georgievna betreute die einzelnen Sektionen der Konferenz, wählte die Moderatoren aus, nahm aktiv an den meisten der Diskussionen teil. Bei solchen Konferenzen sind nicht nur die offiziellen Vorträge, sondern auch die Gespräche der Teilnehmer in den Pausen zwischen den Vorträgen wichtig und von prinzipieller Bedeutung – solche Konferenzen sind wahrhaft ökumenisch.

Mir scheint, dass solche Ereignisse und das weltweite Interesse am Jubiläum der Tausendjahrfeier die Regierung der UdSSR dazu brachten, ihre Beziehung gegenüber der Kirche neu zu bedenken und zu ändern. Die Statistik bezeugt, dass man erst nach 1988 begann, neue Gemeinden zu eröffnen und der Kirche ihre Heiligtümer zurückzugeben, z. B. das Kiever Höhlenkloster. Ich glaube, dass die Mitwirkung von Personen wie Metropolit Nikodim in Russland und Prof. Fairy von Lilienfeld im Westen sehr wirkungsvoll dazu beitrugen, dass sich die atheistische und antiklerikale Haltung der ideologischen Führung der UdSSR allmählich änderte. Solche Menschen, natürlich nicht sie allein, sondern alle ökumenischen Strukturen, haben in entscheidender Weise dazu beigetragen, eine Perestroika des Bewusstseins des sowjetischen Menschen vorzubereiten.

Zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass der Name Vera auf Russisch »Glaube« bedeutet. Dieser Name, den ihre russischen Freunde Fairy von Lilienfeld verliehen haben, passt zu ihr wie kein anderer. Ihr Glaube war ein errungener und reflektierter, ein Glaube, der Früchte trägt, ein Glaube, der alle in ihrer Umgebung wärmte, ein Glaube, der auf all jene einen geistlichen Einfluss ausübte, die das Glück hatten, ihr zu begegnen. Und natürlich war und ist Vera Georgievna eine meiner geistlichen Lehrerinnen, sie gehört zu meinen geistlichen »Eltern«, und ohne die Begegnung mit ihr würde in meiner geistlichen Entwicklung viel fehlen. Das heißt nicht, dass ich meine Entwicklung schon als abgeschlossen betrachte. Doch in Bezug auf die Andersgläubigen, die Ökumene, die christliche Zusammenarbeit, die Aufmerksamkeit für andere christliche Traditionen, hat sich meine Haltung zweifellos grundlegend geändert. Und dies habe ich ganz sicher der Begegnung mit Prof. Fairy von Lilienfeld zu verdanken, der Pfarrerin, Historikern, Theologin, gläubigen Christin, geistlichen Lehrerin. Wie sehr wünschte ich, dass die Atmosphäre jener Jahre, als Frau Prof. Fairy von Lilienfeld zum Ehrenmitglied der Orthodoxen Moskauer Geistlichen Akademie gewählt wurde, auch in unseren Tagen wieder spürbar würde. Abschließend möchte ich nicht nur Organisatoren dieses Seminars sondern allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, Schülern und Schülerinnen von Prof. Fairy von Lilienfeld herzlich danken und herzliche Grüße aller russischen Freunde überbringen.


Zeit der Wahrheit (Interview mit I. Mamaladse): Literaturnaja gazeta, 25.04. und 06.05.1990.

Fairy von Lilienfeld. Leben, Kirche, Wissenschaft und Wahrheit. Gespräche mit Prof. E.M. Verestsciagin in Deutschland in den Jahren 1996–2002, Moskau 2004 (Russ.).

CLAUS-JÜRGEN Roepke: Geleitwort zu Fairy von Lilienfeld. Leben, Kirche, Wissenschaft und Wahrheit. Gespräche mit Prof. E.M. Verestsciagin in Deutschland in den Jahren 1996–2002, Moskau 2004, 11 (Russ.).

METROPOLITAN NIKODIM (ROTOV) AND FAIRY VON LILIENFELD

Evgeny Morozov

I was invited to make a presentation about Metropolitan Nikodim (Rotov) – an outstanding figure in the Russian Orthodox Church. And there is good reason for it. Back in 1960 to 1972 Metropolitan Nikodim was the Head of the External communications department of the Russian Orthodox Church, he was also the Chairman of the Holy Synod Committee on issues of Christian Unity and Interchurch Relations.