OTTO HAENDLER

SCHRIFTEN UND VORTRÄGE ZUR PRAKTISCHEN THEOLOGIE
(OHPTh)

Eingeleitet, kommentiert und herausgegeben
von Wilfried Engemann

Band 3:

Seelsorge.

 

Monographien, Aufsätze und Vorträge

OTTO HAENDLER

SEELSORGE

MONOGRAPHIEN, AUFSÄTZE UND VORTRÄGE

Eingeleitet, kommentiert und herausgegeben
von Wilfried Engemann

Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft

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Cover: Kai-Michael Gustmann, Leipzig

Satz: MEDIEN PROFIS GmbH, Leipzig

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2020

ISBN 978-3-374-06074-0

www.eva-leipzig.de

VORWORT

In diesem Band werden all jene Texte Otto Haendlers editorisch aufbereitet, kommentiert und teilweise erstmalig für den Diskurs bereitgestellt, mit denen die Prämissen, Argumente, Entwicklungen und Wirkungen seiner Seelsorgelehre in den Blick kommen. Dabei geht es um mehr als eine seelsorgegeschichtliche Spurensicherung: Die systematische Erschließung der Themen und Dokumente dieses Bandes hat darüber hinaus zum Ziel, den Herausforderungen und Perspektiven der Seelsorge als praktisch-theologischer Disziplin überhaupt nachzugehen.

1.ZUR AUSWAHL UND ZUM INHALT DER TEXTE

Die Auswahl der Texte folgt Grundsätzen, die bereits für die Bände OHPTh 1 (Praktische Theologie) und OHPTh 2 (Homiletik) leitend waren. Übertragen auf den der Seelsorgelehre Haendlers gewidmeten dritten Band heißt das zunächst, dass es nicht um eine Gesamtausgabe aller „irgendwie seelsorglichen“ Schriften Haendlers geht, sondern um jene, die theoriebildend und diskursbzw. praxisrelevant sind.

Diese Kriterien schließen sämtliche Theoriebeiträge mit wechselnden Kontexten und Schwerpunkten ein, während Schriften mit hoher Selbstreferenz (Wiederholungen aus bereits aufgenommenen Texten), mit primär spirituellem Charakter (wie „Meditation im Alltag“) oder als Beitrag zur kirchlichen Bildung konzipierte Texte (etwa zum Kirchenjahr oder zum Verhältnis von Denken und Glauben) hier nicht aufgenommen beziehungsweise für OHPTh 4 (Glaube und Lebenswelt) reserviert worden sind. In diesen Band einbezogen wurden jedoch neben primär theologischen, psychologischen, methodischen und fachdidaktischen Texten zur Theorie der Seelsorge solche Arbeiten, die nicht nur professionelle Seelsorgetheorie bieten, sondern auch „seelsorglich geschrieben“ sind – kurz: die ihrer Leserschaft gegenüber seelsorglich argumentieren. Das gilt zum Beispiel für Teil I dieses Bandes („Angst und Glaube“) sowie für einige Texte in Teil IV, etwa, wenn es um das „Alter im Lichte der Seelsorge“ (IV.6) oder um „Schuldverhaftung und Schuldlösung“ (IV.7) geht.

Solche Auswahlkriterien lassen zweifellos einen subjektiven Spielraum, der nur überwunden werden könnte, wenn man sich zu einer Gesamtedition entschließen wollte. Dieses Ziel wird jedoch mit dieser kommentierten Ausgabe ausgewählter „Schriften und Vorträge zur Praktischen Theologie“ Otto Haendlers nicht verfolgt.1

Der vorliegende Band erschließt Haendlers Seelsorgelehre in vier Teilen. Nachfolgend wird eine kurze Übersicht dazu geboten. Ausführlichere Informationen finden sich jeweils in den Einleitungen zu den Teilen I–IV.

Teil I – „Angst und Glaube“ (1952) – präsentiert einen für Haendlers (in der Nachkriegszeit entwickelte) Seelsorgelehre markanten Text: Die komplexen, verschiedenartigen, sich als „existentiell“ erweisenden Erfahrungen von Angst bilden den exemplarischen Horizont seelsorglicher Problemstellungen. Seelsorge angesichts der in ganz unterschiedlichen Formen zum Vorschein kommenden Angst wird zum Paradigma für den Existenzbezug seelsorglicher Arbeit überhaupt. In einer Zeit, in der die auf Vergewisserung zielende Proklamationsrhetorik der Dialektischen Theologie nicht mehr greift, kommt Seelsorge ohne eine interdisziplinär ausgerichtete Sachanalyse ihrer Gegenstände nicht aus. Theologische Vertiefung und seelsorgliche Interaktionen müssen daran anknüpfen. Gesellschaft, Kirche, Einzelner (sowohl als Ratsuchender wie als Seelsorger) kommen dabei gleichermaßen in den Blick.

Teil II ist der kleinen Schrift „Das Leib-Seele-Problem in theologischer Sicht“ (1954) gewidmet. Mit dieser Arbeit wendet sich Haendler, wie aus der gesamten Anlage und der Argumentation hervorgeht, an Theologen und Mediziner, Seelsorger und Therapeuten gleichzeitig. Sie ist ein Markstein eines bereits Jahrzehnte andauernden interdisziplinären Dialogs, der mit Haendlers Ausführungen über die in diesem Text entfaltete „Einheit der Person“ neu an Fahrt gewinnt. Wird in Teil I der seelsorgliche Umgang mit der existentiellen Kategorie der Angst zum Paradigma seelsorglicher Argumentation, so ist es in Teil II die Auseinandersetzung mit Konzeptionen zum Verhältnis von Leib und Seele. Das Verständnis dieser Relation hat weitreichende Konsequenzen für die Ausrichtung der Seelsorge. Angesichts der oben genannten Adressaten dieser Schrift liegt es auf der Hand, dass Haendler in diesem Text für eine theologische und interdisziplinär konvergente, ganzheitliche Sicht auf den Menschen wirbt.

Teil III erschließt in elf Vorträgen und Aufsätzen aus dem Zeitraum von 1942–1968 die „Grundlagen und Perspektiven“ des Haendlerschen Seelsorgeverständnisses. Da die Reflexion der theologischen und psychologischen Basis der Seelsorge einerseits und die Erarbeitung neuer Leitlinien andererseits nahezu alle Texte dieses Teils bestimmten, erübrigt sich eine Aufteilung dieser Beiträge in Grundlagen und Perspektiven als zwei eigene Gruppen. Dieser recht umfassende Teil des Buches erörtert die gesellschaftlichen, kirchlichen und psychologischen Kontexte seelsorglicher Arbeit und entwickelt auf dieser Basis Kriterien einer Seelsorgelehre, die insbesondere durch eine kongruente Anthropologie miteinander verbunden sind.

Teil IV ist Spezialthemen und einzelnen Reflexionsperspektiven der Seelsorgelehre aus den Jahren 1953–1966 gewidmet: Dazu gehören exemplarische Studien zur Relevanz psychoanalytischer Kategorien für theologische Fragestellungen und reich kommentierte Literaturberichte zur Rezeption der Psychologie Carl Gustav Jungs in der Theologie. Ebenso werden wichtige Spezialgebiete der Seelsorge wie Ehe, Altsein bzw. Altwerden sowie der Umgang mit Schuld und Schuldgefühlen auf Basis interdisziplinär geführter Diskurse in den Blick genommen. Daraus geht zum Beispiel hervor, dass man sich als Seelsorger nicht mit der Funktion des Gewissen befassen kann, ohne dabei die Notwendigkeit autonomen Handelns anzuerkennen. Schließlich wird – auch an die Adresse der Ärzteschaft und der Therapeuten, vor denen Haendler einen großen Teil dieser Texte präsentiert – die religiöse Dimension der Beratung in Lebensfragen erörtert.

Angesichts des Umstands, dass Haendler keine eigene „Seelsorgelehre“ in Form einer Monographie vorgelegt hat, ermöglichen die in diesem Band vereinten Texte zusammengenommen einen ausgesprochen differenzierten Blick auf seine eigene Positionsbestimmung im poimenischen Diskurs des 20. Jahrhunderts.

2.EDITIONSPRINZIPIEN

Die Prinzipien der Edition der Schriften und Vorträge Otto Haendlers sind bei der Präsentation des ersten und zweiten Bandes eingehend erläutert und begründet worden.2 Sie konnten für den vorliegenden Band, geringfügig modifiziert, beibehalten werden:

Rechtschreibung: Sämtliche Texte Haendlers sowie alle Referenztexte dieser Edition, die mit Schreibweisen des Deutschen aus etwa drei Jahrhunderten konfrontieren, wurden der deutschen Rechtschreibreform von 1996 (2018) angepasst. Dadurch wird verhindert, dass sich auf einer Druckseite für dieselben Worte oder Formulierungen drei oder mehr Schreibvarianten finden.

Zitierweise: Um einer homogenen Zitierweise sowie um der Vollständigkeit und Richtigkeit der bibliographischen Angaben innerhalb dieser Edition willen wurde die Zitationsweise sowohl Otto Haendlers als auch der zitierten Texte nach heute geltenden bibliographischen Standards ergänzt, korrigiert und vereinheitlicht, ohne dass dies im Einzelnen vermerkt wurde. Ergänzungen und Kommentare, die über die Zitationen Haendlers hinausgehen, wurden als „Anm. d. Hg.“ bzw. „Erg. d. Hg.“ gekennzeichnet.

Paginierung: Mit dem in der Textwissenschaft für die Anzeige von Originalpaginierungen benutzten senkrechten Strich (vor und nach der entsprechenden Zahl, wie in diesem |123| Beispiel) werden die ursprünglichen Seitenwechsel der Quellentexte im Fließtext markiert und zusätzlich in der Kopfzeile – abgesetzt von der durchlaufenden Seitenzählung des Bandes – grau dargestellt (z. B.: |123| 462).

Redigierende Eingriffe: Eine wissenschaftliche Edition von Texten, die zum Teil älter als 80 Jahre sind und teilweise zum ersten Mal publiziert werden – ohne vielleicht je zur Veröffentlichung vorgesehen gewesen zu sein –, bringt nicht nur umfassende Korrekturarbeiten an Rechtschreibung und Grammatik mit sich. Die Arbeit des Redigierens schließt weitergehende Bearbeitungen ein, wozu insbesondere die Berichtigung von Zitaten sowie von variantenreichen Verwechslungen bei Personennamen, Buchtiteln und Jahreszahlen gehört. Einige in schriftstellerischer Freiheit als Zitate ausgewiesene Sätze ließen sich nicht ermitteln bzw. bestätigen, andere Zitate Haendlers sind in dieser Edition leicht ergänzt bzw. vervollständigt worden, um nicht missverstanden zu werden.

Solche „Reparaturen“ wurden durch eine „Anm. d. Hg.“ in der Regel nur dann markiert, wenn die Intention Haendlers entweder nicht völlig eindeutig war – bzw. wenn sie eindeutig war, aber von Haendler selbst missverständlich formuliert oder versehentlich ins Gegenteil gewendet wurde. Wo unter Beibehaltung von Duktus und Lexik der Haendler-Texte nur die übliche Lektoratsarbeit zu erbringen war, ist auf Erläuterungen in den Fußnoten weitgehend verzichtet worden.

Beispiele: Zu den an sehr vielen Stellen kommentarlos vorgenommenen Änderungen gehören Glättungen des oft irritierenden Satzbaus Haendlers – soweit den syntaktischen Unebenheiten kein besonderer „Hintersinn“ zugeschrieben werden konnte. Das betrifft, zumal bei langen Sätzen, u. a. die Stellung der Reflexivpronomen, die Haendler häufig weit nach hinten verschiebt, statt sie dem Subjekt- oder Objektpronomen möglichst dicht folgen zu lassen, sowie die Gewohnheit, zusammengesetzte Prädikatsformen in unüblicher Weise zu teilen. Unkommentierte syntaktische Eingriffe betreffen auch die Umstellung vieler Adverbien und Partikel: So redet Haendler in seiner Schrift „Angst und Glaube“ z. B. von Meditationen, „die den Angstzuständen nicht nur, sondern nun auch den Angstmotiven ein wirksames Gegengewicht bieten“. Jetzt ist von Meditationen die Rede, „die nicht nur den Angstzuständen, sondern nun auch den Angstmotiven ein wirksames Gegengewicht bieten“. In der Arbeit „Das Leib-Seele-Problem in theologischer Sicht“ ist von schmerzlicher Erfahrung „bis zum Gefühl tiefer Unzulänglichkeit nicht nur, sondern bis zur stillschweigend getragenen inneren Resignation“ zu lesen; in der redigierten Fassung reicht diese Erfahrung „nicht nur bis zum Gefühl tiefer Unzulänglichkeit, sondern bis zur stillschweigend getragenen inneren Resignation“. Schließlich ein Beispiel für die stillschweigende Berichtigung von Zitaten: In einer Referenz auf C. G. Jung kommt Haendler auf die „Gewalt der Offenbarung zu sprechen“, Jung spricht jedoch ‚nur‘ von der „Gestalt der Offenbarung“.

Einfügung von gliedernden Elementen: Haendlers Vorträge und Aufsätze weisen trotz erheblichen Seitenumfangs oftmals keine Gliederung auf. In diesen Fällen wurden an wichtigen Schaltstellen der Argumentation [in eckige Klammern gesetzte] Überschriften hinzugefügt, um den umfangreichen Stoff zu strukturieren und leichter zugänglich zu machen.

Ein lohnender Nebeneffekt dieser Edition ist darin zu sehen, dass nun erstmals auch jene Fehler und Irrtümer berichtigt wurden, die sich bis in Wiederabdrucke der Schriften Haendlers fortgesetzt haben.3

Diskurs- und biographiegeschichtliche Erklärungen: Die mit der Edition dieses Bandes einhergehende Sondierung theologie- und wissenschaftsgeschichtlicher, allgemeinhistorischer und biographischer Hintergründe zu Ereignissen und Personen wird in der Regel in Form von Biogrammen und Kurzkommentaren in die „Anm. d. Hg.“ einbezogen. Soweit diese Erläuterungen bereits in OHPTh 1 der OHPTh 2 vorliegen, wird auf die entsprechenden Seiten dieser Bände verwiesen.

3. DANKSAGUNG

Ohne die zuverlässige Mitarbeit von Laura Schmidt, Assistentin am Institut für Praktische Theologie und Religionspsychologie der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, hätte dieser Band nicht in so rascher Folge nach OHPTh 2 vorgelegt werden können. Ihr verdanke ich wichtige Hinweise zu Daten, Fakten und Personen, auf die ich in zahlreichen Kommentaren Bezug nehme, um den historischen und seelsorgetheoretischen Horizont der Texte zu erhellen. Dr. Bernhard Lauxmann, Assistent am selben Institut der Wiener Fakultät, hat mich in der Endphase der Arbeit am Manuskript bei der formalen Vereinheitlichung dieses Bandes ebenso tatkräftig wie professionell unterstützt – und die Register erstellt, wofür ich ihm an dieser Stelle sehr herzlich danke.

Der Kirchenhistoriker Gert Haendler, der Sohn Otto Haendlers, hat mich freundlicherweise wiederholt in seinem Hause in Bad Doberan empfangen und mir unter anderem Einblick in sein Fotoarchiv gewährt. Ihm sind das für das Frontispiz ausgewählte Foto sowie die während zweier Besuche Otto Haendlers bei C. G. Jung entstandenen Aufnahmen (S. 319 und 605) zu verdanken. Ein besonders herzliches Dankeschön gebührt Elisabeth Neijenhuis, die mit ihrer bewährten Expertise für korrekten Schriftsatz, schlüssige Syntax und das zuverlässige Auffinden von Fehlern aller Art nunmehr ein drittes Mal dazu beigetragen hat, die Lektüre dieses Buches schon in formaler Hinsicht zu einem Vergnügen zu machen.

Wien, im August 2019, Wilfried Engemann

GESAMTÜBERSICHT ZU BAND 3

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

EINLEITUNG:
SEELSORGELEHRE IN DER MITTE DES 20. JAHRHUNDERTS

von Wilfried Engemann

TEIL I:
ANGST UND GLAUBE

Inhalt Teil I

Einleitung: Haendlers Schrift „Angst und Glaube“. Kontext, Inhalt und Rezeption

von Wilfried Engemann

Angst und Glaube (1952, 21953, 31954)

TEIL II:
DAS LEIB-SEELE-PROBLEM IN THEOLOGISCHER SICHT

Inhalt Teil II

Einleitung: Haendlers Schrift „Das Leib-Seele-Problemin theologischer Sicht“. Kontext, Inhalt und Rezeption

von Wilfried Engemann

Das Leib-Seele-Problem in theologischer Sicht (1954)

TEIL III:
GRUNDLAGEN UND PERSPEKTIVEN DER SEELSORGE. AUFSÄTZE UND VORTRÄGE

Inhalt Teil III

Einleitung: Otto Haendlers Beiträge zur Grundlegung und Erneuerung der Seelsorge (1942–1971)

von Wilfried Engemann

1.Die Begegnung des Seelsorgers mit den religiösen Kräften der Zeit (1942)

2.Ungelöste Fragen und Seelsorge (1952, Erstveröffentlichung)

3.Psychologie und Religion von Sigmund Freud bis zur Gegenwart (1956)

4.Wandlung durch den Glauben (1956)

5.Wahrheit und Wertung der Tiefenpsychologie (1956)

6.Beichte und Psychotherapie (1957)

7.Glaubenskrise und Strukturwandel (1958)

8.Vom Geheimnis des Vertrauens im ärztlichen und seelsorglichen Dienst (1958)

9.Medizinisches und theologisches Denken in Spannung und Begegnung (1961)

10.Tiefenpsychologie (um 1962, Erstveröffentlichung)

11.Vertrauen als Gestaltungskraft (1968)

TEIL IV:
SPEZIELLE FRAGEN ZUR THEORIE UND PRAXIS DER SEELSORGE. AUFSÄTZE UND VORTRÄGE

Inhalt Teil IV

Einleitung: Im Gespräch mit der ganzen Person. Hintergründe und Alltagsthemen der Seelsorgelehre Haendlers (1953–1966)

von Wilfried Engemann

1.Komplexe Psychologie und theologischer Realismus. Ein Literaturbericht über C.G. Jung und seinen Kreis (1953)

2.Unbewusste Projektionen auf das christliche Gott-Vaterbildund ihre seelsorgliche Behandlung (1954)

3.Eheprobleme in theologischer Sicht (1959)

4.C. G. Jung – Literaturbericht als Situationsprofil (1959)

5.C. G. Jung zum Gedächtnis (1962)

6.Das Alter im Lichte der Seelsorge (1962)

7.Schuldverhaftung und Schuldlösung in Theologie und Psychologie (1966)

VERZEICHNISSE

Literaturverzeichnis zu den Texten des Herausgebers

Literaturverzeichnis zu den Texten Otto Haendlers

Quellenverzeichnis

Personenregister

Sachregister

Weitere Bücher

Endnoten

EINLEITUNG: SEELSORGELEHRE IN DER MITTE DES 20. JAHRHUNDERTS

Haendlers Schriften, soweit sie im engeren oder weiteren Sinn, in theoretischer oder praktischer Hinsicht seelsorglich angelegt sind, behandeln theologische und psychologische Fragen gleichrangig. Genauer gesagt: In den jeweiligen Problembeschreibungen sowie bei der Entwicklung neuer Ansatzpunkte der Seelsorge haben psychologische und theologische Argumente inhaltlich das gleiche Gewicht. In quantitativer Hinsicht, auf Zeilen- und Seitenzahlen bezogen, verwendet Haendler mehr Raum für psychologische Hintergrundinformationen, für die Darlegung tiefenpsychologischer Prämissen und Prinzipien sowie für die Aufklärung entsprechender Missverständnisse. Dies ist dem Nachholbedarf bei der Rezeption grundlegender psychologischer Einsichten und der damit verbundenen Theoriekonzepte im Diskurs der Seelsorge Mitte des 20. Jahrhunderts geschuldet.

Wenn wir als „Mitte des 20. Jahrhunderts“ in diesem Fall den Zeitraum von 1942–1966 in den Blick nehmen (aus diesen knapp 25 Jahren stammen die in diesem Band vereinten Texte Haendlers zur Seelsorge), stoßen wir auf eine ausgesprochen disparate Diskurslandschaft.

1.MISSIONARISCHE UND KERYGMATISCHE DISKURSLINIEN

Auf der einen Seite erscheinen in jener Zeit viele Schriften mit entweder missionarischer1 und dialektisch-theologischer Ausrichtung, ohne den psychologischen Kontext seelsorglicher Arbeit als fachliche Herausforderung anzuerkennen und zu würdigen. Psychologie ist bestenfalls Hilfsmittel zur gezielten Verkündigung.2 Ohne die Ausrichtung des Gotteswortes gibt es gar keine seelsorgliche Hilfe.3 Über die seit mehr als 20 Jahren vorliegende „Analytische Seelsorge“ Oskar Pfisters4 weiß beispielsweise Thurneysen nur zu sagen, dass sie „theologisch ungenügend“5 sei, ohne seine Leser über die theologischen und psychologischen Prämissen und Kategorien Pfisters zu informieren.

Daneben erscheinen Publikationen zur Seelsorge, die die missionarische Linie evangelistisch aufnehmen, wie etwa die Schriften von Hans Bruns (1895–1971): „Menschen haben Schuld auf sich geladen und werden von dieser Schuld umgetrieben, [… sie] sind in mehr oder weniger schwere Bindungen hineingeraten und können davon nicht frei werden… Da erst beginnt im eigentlichen Sinn des Wortes der Dienst der Seelsorge: Die Menschen im Namen Jesu von Sünde und Schuld zu befreien, die Menschen aus den Bindungen des Teufels zu lösen.“6 Diese Seelsorge geschieht „durch Anhören der Beichte, durch Erteilen der Absolution, durch Absage an den Teufel, durch helfendes Gebet. Bei alle dem bleibt das letzte Ziel: Hinführung zu Jesus selbst.7 In diesen Kontext gehört eine große Zahl entsprechender Schriften, in denen Erweckliches, Biblisches, Moralisches, Kerygmatisches und Kitschiges kräftig durchmischt wird: Die „Aufgabe der Seelsorge“ besteht in der „Pflege der durch Jesu Blut teuer Erkauften, sie vor den Wölfen zu schützen, alle Zeit darum wachsam zu sein und in rechter Weide ihnen das Brot des Lebens zu geben“8.

Obschon psychologisch belesen, legt Erich Schick9 eine Monographie zur Seelsorge vor, zu deren Referenzrahmen vor allem Bibelzitate und christliche Poesie gehören: „Alles Reden, Zuhören, alles Fragen, Raten, Helfen hat seine Berechtigung nur insofern, als es dazu dient, dass alle Dinge ins Licht Gottes gerückt und dort geordnet werden. Es gilt auch hier: ‚So wir im Licht wandeln, wie er im Lichte ist, haben wir Gemeinschaft untereinander.‘“10

Auf dieser Seite des Diskurses gibt es eine mit den Jahren sogar noch fortschreitende Ausblendung des Dialogs zwischen Seelsorge und Psychologie bzw. Psychotherapie: Während Thurneysen in seinem ursprünglichen Standardwerk zumindest auf diesen Kontext einging,11 um ihn für seine kerygmatischen Postulate in Anspruch zu nehmen, finden sich entsprechende Kapitel in dem nachfolgenden Band „Seelsorge im Vollzug“12 gar nicht mehr. Seelsorge wird dort „im Wesentlichen [auf] drei Gruppen von Menschen“ beschränkt: „Einmal solche, die dem Worte noch nicht wirklich begegnet sind“, solche, denen das Wort Gottes, nachdem sie es gehört haben, „in ihrer ganz persönlichen Situation […] neu ausgerichtet werden“ muss, und solche, „bei denen das Wort Gottes auf Widerstand stößt“13. Oskar Pfister oder neuere Theorieansätze einer psychologisch instruierten Seelsorgelehre werden in dieser 1968 vorgelegten Publikation gar nicht erst erwähnt.

Wenn das schon der ganze Diskurs gewesen wäre, müsste man dem wissenschaftlichen Selbstverständnis der Seelsorgelehre bis ins zweite Drittel des 20. Jahrhunderts hinein ein schlechtes Zeugnis ausstellen, gehört es doch zur Grundvoraussetzung wissenschaftlicher Disziplinen, sich mit aktuellen Ansätzen und Ergebnissen des jeweiligen Forschungsfelds kontinuierlich auseinanderzusetzen.

Die in verschiedenen Varianten anzutreffende These, die Seelsorgelehre habe sich erst mit der „empirischen Wende“ in den 1960er und 70er Jahren als wissenschaftliche, den interdisziplinären Dialog riskierende Disziplin etabliert, ist allerdings nicht haltbar.14 Diese Auffassung vernachlässigt jahrzehntelange gemeinsame Forschungen von Theologen und Ärzten, die die Ergebnisse ihrer Arbeit kontinuierlich unter anderem in Form von Tagungsbänden präsentiert und nicht nur die akademische Seelsorge interdisziplinär reflektiert haben, sondern auch die seelsorgliche Alltagspraxis von Pfarrern stärken und ihnen zu mehr Professionalität verhelfen wollten.

Damit kommt die andere Seite des Diskurses rund um Fragen der Seelsorge in den Blick, deren erste nachhaltige Impulse mindestens in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zurückreichen. Die sich bald deutschlandweit treffenden „Gemeinschaften von Arzt und Seelsorger“ spielen dabei eine besondere Rolle.

2. ZUM DIALOG ÜBER DIE SEELSORGE ZWISCHEN ÄRZTEN UND THEOLOGEN NACH DEM ERSTEN WELTKRIEG

Bereits 1924 fand durch das Zusammenwirken des Theologen Carl Gunther Schweitzers (1889–1965)15 mit den Gebrüdern Carl (1878–1947) und Friedrich Happich (1883–1951) – Carl war Mediziner, Friedrich Theologe – die erste so genannte „Fachkonferenz für Mediziner und Theologen“ statt, die ab 1926 regelmäßig in Berlin tagte und bald auch in anderen Städten, wie zum Beispiel in Stuttgart, Braunschweig und Frankfurt a. M., organisiert wurde. Das trug dazu bei, dass sich in Berlin und an anderen Orten entsprechende „Gemeinschaften“ gründeten: Aus dem wechselseitigen Interesse der Berufsgruppen Arzt bzw. Therapeut und Seelsorger ergab sich der Wunsch, den gemeinsamen Diskurs institutionell zu organisieren und seine Ergebnisse öffentlich zu präsentieren.

Das Periodikum „Arzt und Seelsorger. Eine Schriftenreihe, hg. in Verbindung mit Medizinern und Theologen von Carl Schweitzer“ erscheint ab 1925 im Friedrich-Bahn-Verlag Schwerin. Es bietet neben zahlreichen Tagungsberichten und Dokumentationen auch kleinere Monographien, die Spezialthemen des theologisch-medizinischen Diskurses gewidmet waren.16 Das Bedürfnis, in gemeinsamer Arbeit gewonnene Einsichten einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen, war enorm. Der Beschluss, ein Forum in Gestalt der entsprechenden Schriftenreihe zu schaffen, war schon 1924 auf der erwähnten Ersten Fachkonferenz für Mediziner und Theologen gefasst worden.17 Eröffnet wird diese Edition mit einer Art Manifest, mit einem Aufsatz des Neurologen und Psychologen Fritz Künkel (1889–1956)18 zum Thema „Psychotherapie und Seelsorge“19.

Dieses Thema wird in der Schriftenreihe in immer neuen Variationen und Zuspitzungen Jahr für Jahr wieder aufgenommen. Die gemeinsame Erkundung des „Grenzgebiets von Leib und Seele“ wird als wesentliche Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft wahrgenommen.20 Gleichwohl sind als Leser „nicht nur Fachleute“ im Blick, „sondern alle, ‚die andere Menschen irgendwie zu leiten oder zu heilen berufen sind‘.“21 Dass diese Schriftenreihe 1934 eingestellt wurde, bedeutete keineswegs ein Ende der Publikationen zum Thema: Andere Arbeitsgruppen, einzelne Autoren und Herausgeber, Mediziner wie Theologen, veröffentlichten – wenn auch nicht mehr in so dichter Folge – weitere Texte zu gemeinsamen Fragen ihrer Arbeit.22 Ab 1949 erscheint nach 15 Jahren Unterbrechung ein neues gemeinsames Publikationsorgan, die Zeitschrift Der Weg zur Seele. Monatsschrift für Seelsorge, Psychotherapie und Erziehung. Um die interdisziplinäre Perspektivenvielfalt stärker hervorzuheben, wird die Zeitschrift 1954 umbenannt in Wege zum Menschen. Monatsschrift für Arzt und Seelsorger, Erzieher, Psychologen und soziale Berufe.23

Von 1950 bis 1957 gibt die Internationale Gemeinschaft Arzt und Seelsorger das nach Art einer Zeitschrift konzipierte „Mitteilungsblatt Arzt und Seelsorger“ heraus. Zahlreiche in den 50er Jahren erscheinende Bücher informieren ausführlich über den Stand der gemeinsamen Arbeit und setzen in der Diskussion therapeutischer und seelsorglicher Fragen neue Schwerpunkte.24

In der Arbeitsgemeinschaft, die die Berufsgruppen „Arzt und Seelsorger“ im Titel führte, waren demnach nicht etwa die Mediziner für den Leib und die Theologen für die Seele zuständig. Die Vertreter beider Professionen trafen sich auf ihren jährlichen Konferenzen, um ihr Wissen um die „tiefen Zusammenhänge von leiblicher und seelischer Krankheit und Not sowie ihre Heilungsmöglichkeiten“25 zu erörtern. Ab 1938 erscheint eine entsprechende Schriftenreihe auch auf der Ebene einer „Europäischen Arbeitsgemeinschaft Arzt und Seelsorger“26.

Wichtig für das Verständnis der Arbeitsgemeinschaften von Medizinern und Theologen ist die Tatsache, dass sich beide Berufsgruppen ihrer Stärken und ‚blinden Flecken‘ bewusst und davon überzeugt waren, dass nur durch eine interdisziplinäre Annäherung an das Verständnis von Gesundheit und Krankheit, Schuld und Schuldgefühlen, psychosomatischen und somato-psychischen Phänomenen usw. geeignete Wege des Heilens, Helfens und Begleitens gefunden werden können. Über mögliche negative Folgen der zunehmenden Professionalisierung war man sich durchaus im Klaren.27 Es galt, einseitige Fixierungen auf seelische Vorgänge hier und auf körperliche Symptome dort zu überwinden. Für Seelsorger hatte das unter anderem zur Konsequenz, bei der Ausübung des Berufs nicht mehr die Tradition, das Amt oder den „biblischen Auftrag“ in den Vordergrund zu stellen, sondern den „ganzen Menschen“, sein alltägliches Leben mit all seinen Prämissen, Erwartungen und Ängsten, was auf eine „Humanisierung der Pastoraltheologie“28 hinauslief.

Was diese sich auf Tagungen begegnenden und in leidenschaftliche Dialoge verwickelnden Forscher vereint, ist (1.) die Selbstverpflichtung auf eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen, (2.) die sukzessive Profilierung einer entsprechenden Anthropologie sowie (3.) die Suche nach adäquaten Wegen des Helfens und Heilens.

Die Berliner Arbeitsgemeinschaft Arzt und Seelsorger setzte ihre Arbeit auch nach der 1937 durch die Gestapo angeordneten Schließung der Apologetischen Centrale mit monatlichen Sitzungen und diversen Konferenzen fort.29 Neben der schon in den 30er Jahren ins Leben gerufenen Europäischen Arbeitsgemeinschaft konstituierte sich 1949 in Stuttgart auch eine Internationale Gemeinschaft Arzt und Seelsorger, die 1974 in „Internationale Gemeinschaft für Tiefenpsychologie e. V. / Erweiterte Gemeinschaft Arzt und Seelsorger“30 umbenannt wurde.

Die systematische Erforschung der weitverzweigten und facettenreichen, ca. 50-jährigen Geschichte der – im Kontext der Arbeitsgemeinschaften Arzt und Seelsorger nach dem Ersten Weltkrieg bis in die 70er Jahre hinein entwickelten – Konzepte einer den „ganzen Menschen“ im Blick habenden Seelsorge steht noch aus.31 Was den Blick auf das Potential dieser Entwicklung nach wie vor trübt, sind die etablierten Klischees über die Seelsorgelehre vor der „empirischen Wende“. Gemessen an der Ausgewogenheit zwischen praktischen, mit konkreten Beispielen arbeitenden, also empirisch gesättigten Diskursen und interdisziplinär fachkundiger Theoriebildung ist die „Leistungsbilanz“ der sich aus den Werkstätten dieser Arbeitsgemeinschaft ergebenden Seelsorgekonzepte den sich weithin nur monographisch präsentierenden Positionierungen der Dialektischen Theologie fachdidaktisch zweifellos überlegen.

Dass kerygmatische Grundsätze von Seelsorge die Praxis der Pfarrer und den Diskurs der Poimenik in der Mitte des 20. Jahrhunderts dominiert hätten, ist nicht plausibel, zumal die missionarisch-kerygmatischen Vertreter der Seelsorge ihre Arbeit in wesentlich geringerem Maße auf Tagungen zur Diskussion gestellt und mit Pfarrern erörtert haben als ihre interdisziplinär agierenden Zeitgenossen. Dass der poimenische Diskurs im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts gleichwohl einen neuen Level erreicht, indem die in den Jahrzehnten zuvor erarbeiteten Prinzipien und Ansprüche an eine professionelle seelsorgliche Arbeit nun allgemein wahrgenommen werden, auf breiten Konsens stoßen und insofern in eine „Wende“ münden, steht außer Zweifel.

Auch unter den Medizinern war die Haltung der Seelsorge gegenüber keineswegs einhellig. Haendlers Schriften und Vorträge sind dementsprechend auch als Vermittlung eines neuen Selbstverständnisses der Seelsorge in Richtung der Ärzteschaft und – nach der Vergewisserung über die gemeinsamen Voraussetzungen – als Werbung um konkrete Kooperation zu verstehen.

Die bloße Ahnung um eine gewisse Relevanz traditioneller seelsorglicher Aspekte für den ärztlichen Beruf begegnet bereits im 19. Jahrhundert, einschließlich der später von C. G. Jung ausgearbeiteten Idee einer gleichsam profanen Seelsorge im Form therapeutischer Gespräche.32 Der Kreis jener Ärzte, die um den Anspruch der Seelsorge, den ganzen Menschen im Blick zu haben, wussten, und die darüber hinaus mit der interdisziplinären Ausrichtung der Seelsorge spätestens seit Oskar Pfister33 vertraut waren, war jedoch verhältnismäßig klein und beschränkte sich weitgehend auf die in den interdisziplinären Arbeitsgemeinschaften organisierten Ärzte, deren Mitarbeit oft das eher zufällige Ergebnis von Freundschaften und Bekanntschaften mit Theologen war.

Den Vorurteilen eines großen Teils der Theologenschaft bezüglich der Brauchbarkeit anthropologischer Erkundungen in der pastoralen Praxis korrespondierte bis in die 60er Jahre hinein ein Zerrbild vom Selbstverständnis kirchlicher Seelsorge auf Seiten der Mediziner. Der schon nach dem Ersten Weltkrieg einsetzende interdisziplinäre Neuaufbruch in der Seelsorgelehre, die Intensität des Dialogs zwischen Praktischer Theologie und Psychotherapie, war am Gros der medizinischen bzw. psychotherapeutischen Fachwelt jahrzehntelang vorbeigegangen. Seelsorge wurde überwiegend als Anwendungsfall von Religion verstanden, nicht aber als lohnender Dialogpartner für die gemeinsame Sorge um den Menschen.

Als Beispiel hierfür sei eine Dissertation zur Bedeutung der „Seelsorge in der Psychotherapie des Arztes“34 genannt. Die Position dieser Untersuchung ist klar: Zwar wird eine gewisse Konvergenz zwischen therapeutischer und seelsorglicher Arbeit gesehen, aber die Seelsorge hat sich gleichsam um den Rest zu kümmern, an den der Arzt nicht bzw. nur dann herankommt, wenn er selbst als Christ während der Therapie seelsorglich interveniert. Damit ist bei Kraft die Vermittlung von „Glaube, Hoffnung und Liebe“ gemeint, also religiöse Praxis. Sie antwortet seines Erachtens auf das „Fragen nach dem Frieden der Seele“ mit Wahrheiten „jenseits dessen, was Vernunft und Wissenschaft“ erschließen können.35 Kraft zieht beim Abfassen seiner Arbeit keine einzige seelsorgetheoretische oder theologische Schrift zu Rate. Weder Oskar Pfisters Texte noch die Editionen der Gemeinschaft Arzt und Seelsorger sind dem Verfasser bekannt, obwohl er das Anliegen dieser Schriften zum Gegenstand seiner Promotion erklärt.

Die Präsenz dieses auf medizinischer Seite verbreiteten Bildes von Seelsorge ist wiederum verständlich, wenn man vom Spektrum und von der Substanz der entsprechenden Lehrbuchliteratur ausgeht.

Die Seelsorgelehre Hans Asmussens, deren Prinzipien aus einer „eigentümlichen Verbindung von Erweckungsbewegung, lutherischem Konfessionalismus und Dialektischer Theologie“36 gespeist wurden, sowie das Lehrbuch Eduard Thurneysens, das noch 1965 in dritter Auflage erscheint,37 sind für die nicht in den erläuterten interdisziplinären Dialog involvierten Mediziner eine naheliegende Informationsquelle, soweit sie sich ein Bild von der Seelsorge machen wollen. Otto Rieckers Schrift „Die seelsorgerliche Begegnung“38 vermittelt ihrerseits ein für therapeutische Anknüpfungen uninteressantes Bild. Sie ist zwar weniger dogmatisch-deduktiv angelegt als die beiden zuvor genannten Werke und erhebt den im Grunde sympathischen Anspruch, statt abstrakter Systematik die Erfahrungen eines Krankenhausseelsorgers zu präsentieren. Stattdessen stehen aber Bekehrungsstrategien im Fluchtpunkt der Seelsorge Rieckers. Mit Entsetzen dürften Therapeuten in diesem Werk darauf gestoßen sein, was seitens der Theologie über „Ent-Ichung“ und „Ichüberwindung in der Seelsorge“39 gedacht wird. Schließlich veröffentlicht Wolfgang Trillhaas 1950 eine Pastoraltheologie40, die zwar von ihren Themen her den Charakter einer Seelsorgelehre hat, aber – immer noch – ohne die Argumente der sich etablierenden Pastoralpsychologie auskommt. Trillhaas wendet sich explizit gegen das Prinzip des Dialogs als Modus seelsorglicher Gespräche. Gebet, Lied, Predigt, Sakrament hingegen sollten zur „Verobjektivierung“ des Dienstes der Seelsorge beitragen und dürfen bei dieser gottesdienstlich gedachten, im Kern als Verkündigung verstandenen Seelsorge nicht fehlen.41

Dass sich ein großer Teil der Mediziner, insbesondere der Therapeuten, soweit sie vor allem über diese Seite der christlichen Seelsorgelehre informiert waren, von einem interdisziplinären Dialog wenig versprach, ist nachvollziehbar. Die in dieser Einleitung bisher genannten Autoren einschlägiger Bücher zur Seelsorge schrieben vor allem kraft ihrer Erfahrung als Pfarrer. Keiner von ihnen – außer Wolfgang Trillhaas – hatte je einen Lehrstuhl inne oder hat sich im Rahmen eines akademischen Qualifikationsverfahrens dem Diskurs der Seelsorge stellen und der eigenen Position gegenüber eine methodische Distanz einnehmen müssen.42 Das macht diese Texte keineswegs belanglos, erklärt aber bis zu einem gewissen Grad ihren unbekümmert-unprofessionellen Charakter. In anderen theologischen Disziplinen, etwa der Exegese oder der Dogmatik – ganz zu schweigen von anderen Professionen etwa im medizinischen oder juristischen Bereich, die unmittelbar am Menschen ausgeübt werden, müssen die entsprechenden Autoritäten ungleich mehr aufbieten, um im Diskurs respektiert zu werden.

Hinzu kommt, dass das Ansehen der Praktischen Theologie als theoriebildende und -geleitete Wissenschaft in jener Zeit sowohl in der Theologie als auch in den Nachbardisziplinen nicht gerade hoch war: Dass in diesem Fach anderweitig erworbenes Wissen nur zur Anwendung komme, war eine der geläufigsten Ansichten über die Positionierung dieser Wissenschaft im Ensemble einer Theologischen Fakultät.43

3.ZUR POSITION OTTO HAENDLERS

In den die seelsorgliche und therapeutische Arbeit betreffenden Problemanalysen Haendlers zeigt sich, dass er um diese Problematik weiß. Immer wieder auf der Grenze zwischen Theologie und Medizin, Seelsorge und Psychotherapie argumentierend und sich auf zahlreichen interdisziplinären Tagungen und in entsprechenden Publikationen der Gemeinschaft Arzt und Seelsorger44 gleichermaßen an Pfarrer und Therapeuten wendend, wird Haendler nicht nur zum Vermittler psychologischer Standards in der Theologie, sondern auch zum theologischen Aufklärer gegenüber der medizinischen Fachwelt.45 Er ist wahrscheinlich der erste praktisch-theologische Lehrstuhlinhaber, der den interdisziplinären Diskurs von Theologie und Psychologie in Theorie und Praxis zum akademischen Tagesgeschäft macht.

Dass sich Haendler ab 1935 selbst einer Lehranalyse bei dem Freudianer Dr. Werner Kemper am Deutschen Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie in Berlin unterzieht und 1937 zum Mitglied der „Deutschen Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie“ ernannt wird, führt in seiner Seelsorgelehre nicht zu der Forderung, es ihm gleich zu tun – oder zu der Prämisse, nur als ausgebildeter Psychologe ein guter Seelsorger zu sein. Weil er sich jedoch bei der Vermittlung entsprechender psychologischer Erkenntnisse als Praktischer Theologe in der Pflicht sieht, weil das Ausmaß an groben Missverständnissen und fatalen Fehlschlüssen bezüglich der Reichweite psychologischer Forschung und psychotherapeutischer Praxis überhand genommen hat – und weil ihm ein gewisses Maß an sozial- und persönlichkeitspsychologischem Basiswissen um der Professionalität und des Auftrags der Seelsorge willen zumutbar und unausweichlich erscheint, konfrontiert er die Theologen- und Pfarrerschaft mit entsprechenden Konzepten, Begriffen und dem Appell zu empirischer Forschung.

Eine explizite Monographie zur Seelsorge hat Haendler nicht verfasst. In komprimierter Form hat er sein Verständnis von Seelsorge im Rahmen seines „Grundrisses der Praktischen Theologie“46 dargelegt. Darin werden die wichtigsten psychologischen und theologischen Grundlagen, Grundsätze und Perspektiven seines Seelsorgekonzepts formuliert. Um nur drei Aspekte aufzugreifen:

Seelsorge kann sich die Herausforderungen, vor die sie sich je und je gestellt sieht, nicht dogmatisch zurechtschneidern, sondern muss sie sich im Dialog mit den für das Verständnis des Menschen relevanten Wissenschaften – insbesondere mit der Psychologie – interdisziplinär erarbeiten. Das ist ohne eine Revision der die Seelsorge leitenden Anthropologie nicht möglich.

In einer die Freiheit des Menschen fördernden und sein Subjektsein stärkenden seelsorglichen Beratung dürfen Glaubens- und Lebensfragen nicht auseinandergerissen werden. Dazu gehört es unter anderem, das Streben nach Autonomie auf der einen und die Aneignung eines persönlichen, von Überzeugung getragenen, mit dem eigenen Gewissen gekoppelten Glaubens auf der anderen Seite nicht als Alternativen zu begreifen.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Person ist für Seelsorger aus einer Vielzahl von Gründen unerlässlich. Der Umgang mit sich selbst hat unmittelbare Konsequenzen für den Umgang mit anderen. Der Seelsorger ist in Person Instrument seelsorglichen Agierens, was eine möglichst genaue Kenntnis dieses Instruments einschließlich seiner kommunikativen Wirkung einschließt und auf eine persönlich-professionelle Haltung im seelsorglichen Gespräch hinausläuft.

Das Hauptaugenmerk Haendlers liegt auf dem interdisziplinären Ausbau der Argumentationsbasis der Seelsorgelehre sowie auf einer Ausweitung und Vertiefung des Spektrums entsprechender Prinzipien, Methoden und Forschungsfragen. Was in dem oben genannten ca. 70-seitigen seelsorglichen Leitfaden47 zur Seelsorge z. T. angedeutet wird, wird in den in diesem Band vereinten Schriften vertieft, erweitert und konkretisiert.

TEIL I

ANGST UND GLAUBE

INHALT TEIL I

Einleitung:
Haendlers Schrift „Angst und Glaube“.
Kontext, Inhalt und Rezeption

von Wilfried Engemann

1.Kontext und Hintergrund des Werkes

2.Inhalt und Struktur des Werkes „Angst und Glaube“

2.1Kurzgefasste Phänomenologie der Angst

2.2Hilfen gegen die Angst: Von der Selbsthilfe bis zur Psychotherapie

2.3Einführung in die Aneignung des Glaubens

2.4Wechselwirkungen zwischen Angst und Glaube

3.Zur Rezeption von „Angst und Glaube“

3.1„Angst und Glaube“ als Handreichung für seelsorgliche Berufe

3.2„Angst und Glaube“ als Modell einer interdisziplinär argumentierenden zeitgenössischen Theologie

3.3Anleitungen zu praktisch-theologischer Arbeit und einer im Alltag gelebten Spiritualität

3.4„Angst und Glaube“ als religionsphilosophischer Referenztext

3.5„Die ganze Betrachtungsweise ist mir sehr fremd“

Angst und Glaube (31954)

Das Inhaltsverzeichnis zu dieser Schrift ist in das Werk auf S. 55–57 integriert

EINLEITUNG:
HAENDLERS SCHRIFT „ANGST UND GLAUBE“

KONTEXT, INHALT UND REZEPTION

von Wilfried Engemann

1.KONTEXT UND HINTERGRUND DES WERKES

„Angst und Glaube“ ist das erste Buch, das Haendler nach seinem 1951 erfolgten Wechsel an die Berliner Theologische Fakultät der Fachwelt vorlegt. Seit 1947 als Ordinarius in Greifswald wirkend und bis 1949 gleichzeitig als Pfarrer in Neuenkirchen (bei Greifwald) tätig, beginnt für ihn Anfang der 1950er Jahre eine neue Phase theologischer Arbeit. Nach seinen vor allem für theologische Fachkollegen bestimmten Arbeiten – unter anderem zum Kirchenverständnis in der Theorie und Praxis der Predigt (1930)1 sowie zu grundlegenden theologischen und psychologischen Fragen homiletischer Arbeit (1941, 21949)2 – wendet er sich nun einem größeren Leserkreis zu, dem auch interessierte Laien angehören dürften.

Im Vorwort zur ersten Auflage heißt es: „Mag der Leserkreis sich zusammensetzen, wie er will, sollte er sich selbst ganz auf die beschränken, die von vornherein nur vom Glauben hier eine Lösung der Angst erwarten. – Eine Untersuchung dieser Art steht dennoch mit jedem Satze in der Verantwortung vor der Gesamtheit, auch vor denen, die zur Wahrheit des Glaubens kaum oder gar nicht Beziehung haben. Diese Verantwortung liegt unter anderem darin, dass ein Eingehen in das Problem der Angst zeitweilig Beunruhigung und Unsicherheit hervorrufen kann. Solch ein Durchgang ist aber nur dann von Schaden, wenn man in ihm stecken bleibt. Wer ihn zu Ende führt, dem wird er fruchtbar.“3

Haendler hat mit dem Versuch, einen über weite Strecken populärwissenschaftlichen Stil mit theologischem Fachdiskurs zu verbinden, Erfolg: Das Buch erscheint innerhalb kurzer Zeit (1952, 1953, 1954) in drei Auflagen und gilt für Jahrzehnte als wichtiger Referenztitel für verschiedenste Fragestellungen, die um die Themenfelder „Angst“ und „Glaube“ bearbeitet werden.4

Haendler begibt sich mit diesem Thema auf die Suche nach einer nicht nur theologisch-philosophisch diskutablen Verhältnisbestimmung von Angst und Glaube, sondern bezieht von vornherein anthropologische, soziologische und psychologische Aspekte in seine Überlegungen ein. Damit setzt er die mit seiner Habilitationsschrift begonnene Theologie- und Kirchenkritik fort und formuliert triftige Gründe theologischer Arbeit auch außerhalb explizit theologischer Diskurse: Die Verdunklung des Lebensgefühls in der Nachkriegszeit, geprägt von ganz unterschiedlichen Formen der Angst, die Fragwürdigkeit theologischer Lösungen, die Unzugänglichkeit der kirchlichen Angebote5 und andere Beobachtungen veranlassen ihn dazu, Ansatzpunkte zum Umgang mit der Angst sowohl innertheologisch als auch im Dialog mit anderen Wissenschaften zu entwickeln. Von da aus ergeben sich neue Aspekte und Kriterien seelsorglicher Arbeit.

Die kontextuellen Parallelen zwischen Haendlers „Angst und Glaube“ und den 60 Jahre später erscheinenden sozialpsychologischen Betrachtungen zur „Gesellschaft der Angst“ von Heinz Bude6 sind bemerkenswert. Sie betreffen u. a. die Wahrnehmung von Ängsten als gleichermaßen individuelle wie gesamtgesellschaftliche Grunderfahrungen, die sich weder durch Logik noch durch religiöse Appelle bzw. den Trost der Dogmatik einfach auslöschen lassen. Sie betreffen „ein Gefühl der Überlebtheit der Ordnung“, die bislang Halt bot; gleichzeitig leben viele Menschen in der ängstlichen Sorge, ob sie wohl selbst hinreichend geschickt, willensstark und überzeugend genug sind, um als Individuum in der Konkurrenz mit den anderen bestehen zu können und der befürchteten „Exklusion“ zu entkommen.7

Wechselseitig fast austauschbar sind beispielsweise die Beobachtungen und Interpretationen Haendlers und Budes im Blick auf die „Liebesangst“ als „Angst um“ (Haendler) einerseits bzw. als „Sehnsucht nach einer unkündbaren Beziehung“ (Bude) andererseits: Haendler legt dar, inwiefern Angst am „Unergründlichen des eigenen und des begegnenden Wesens entsteht“, weshalb Angst gerade auch in der starken Liebe erfahren werden könne. Dementsprechend werde „in der Liebe der Partner im Vergleich zur Erfahrung der Mächte erlebt. […] Die Beziehung zum Partner ist hier nicht nur Erfahren der Schicksalsmacht, sondern zugleich ersehnter Schicksalsinhalt. […] Deshalb muss die Liebesangst […] angeschaut werden zunächst als Angst des Subjekts um sich selbst.“8 Heinz Bude verweist seinerseits auf die inneren Angst-Dialoge eines Menschen auf der Suche nach einer „unkündbaren Beziehung“ und kommt auf ähnliche Erfahrungen zu sprechen: auf das tiefe Wissen um die bleibende Undurchsichtigkeit des anderen, um das Fortbestehen der Autonomie des Partners und die Zumutungen der Freiheit, die auch und gerade in einer Liebesbeziehung nicht außer Kraft gesetzt werden können, und die daraus resultierenden Ängste.9

Solche Parallelen zwischen Haendler und Bude aufzuzeigen – vgl. insbesondere die oben skizzierte Verknüpfung der Erfahrung von Angst mit der Erfahrung von Liebe – bedeutet keineswegs, diesen ganz unterschiedlich konzipierten Schriften die gleichen Prämissen oder das gleiche Fazit zu unterstellen. Die wechselseitige Anschlussfähigkeit der beider Texte zeigt jedoch die Relevanz eines Forschungsansatzes, für den die Analyse menschlicher Erfahrungen eine unverzichtbare Quelle der Theorieentwicklung ist, ganz gleich, ob diese primär sozialanthropologisch (Bude) oder seelsorgetheoretisch (Haendler) ausgerichtet ist.

„Angst und Glaube“ ist darüber hinaus einer sich zunehmend auf den Erfahrungsbezug der Reformation berufenden Theologie verpflichtet.10 Eine solche Theologie befasst sich nach Haendlers Bekunden um des Evangeliums und um des Menschen willen mit humanwissenschaftlichen Einsichten und Fragen, sie hinterfragt kritisch deren Prämissen, sie lernt von ihren Methoden und ist an konvergenten Argumentationsmustern interessiert.11 Angesichts der langjährigen, intensiven Auseinandersetzung Otto Haendlers mit der Tiefenpsychologie12 Freuds und der Analytischen Psychologie Carl Gustav Jungs ist dieses Werk ein Paradebeispiel für den Gewinn interdisziplinärer und dabei theologisch hoch ambitionierter Theologie. Von daher dürfte es kein Zufall sein, dass wenige Jahre später – bei der Darstellung der Geschichte und des Profils der Institute der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald – für Haendlers Wirken exemplarisch das Buch „Angst und Glaube“ angeführt wird (und nicht die schon in zwei Auflagen vorliegende Predigtlehre), was für die außerordentliche Popularität des Werkes spricht.13

2.INHALT UND STRUKTUR DES WERKES „ANGST UND GLAUBE“

Bereits in der Einleitung des Buches kommen einige der Prämissen und Perspektiven Haendlers zu diesem Thema pointiert zur Sprache. Zu ihnen gehört es, Angst als eine ambivalente Grunderfahrung zu verstehen, die nicht nur nicht einfach ‚ausgeräumt‘ werden, sondern – zum Beispiel als begründete Furcht – auch eine bewahrende Kraft haben kann. Angst kann punktuell sogar in dem Maße anwachsen, in dem ein Mensch seiner Freiheit gemäß lebt, sie sich „aneignet“ und dabei erkennt, vor welchen Möglichkeiten er als Subjekt seines Lebens steht und welchen Gefährdungen er dabei ausgesetzt ist. Da Haendler, als er an diesem Buch arbeitet, seit vielen Jahren mit den tiefenpsychologischen Aspekten von Angst vertraut ist,14 liegt es nahe, die Reichweite der damit verbundenen Argumentation in diesem Werk erneut zu dokumentieren – ohne sie dabei selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Existenz- und sozialphilosophische sowie im besonderen Maße theologische Konzepte kommen gleichfalls zum Tragen.

2.1Kurzgefasste Phänomenologie der Angst

1. KapitelElementeFormenArtenvor…, Angst …, Angst  SchichtenGehalt  15