»BEFREIT – VERBUNDEN – ENGAGIERT«

EVANGELISCHE KIRCHEN IN EUROPA

Dokumentationsband der 8. Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) vom 13.–18. September 2018 in Basel, Schweiz

»LIBERATED–CONNECTED–COMMITTED«

PROTESTANT CHURCHES IN EUROPE

Documents of the 8th General Assembly of the Community of Protestant Churches in Europe (CPCE),
September 13th–18th 2018 in Basle, Switzerland

Herausgegeben von / edited by
Mario Fischer – Kathrin Nothacker

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© 2019 by Evangelische Verlagsanstalt GmbH · Leipzig

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Cover: Kai-Michael Gustmann, Leipzig

Satz: Steffi Glauche, Leipzig

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2019

ISBN 978-3-374-06143-3

www.eva-leipzig.de

INHALT/CONTENTS

Cover

Titel / Title Page

Impressum / Legal Notice

Vorwort

Gottfried W. Locher

Foreword.

Gottfried W. Locher

Einleitung der Herausgeber

Mario Fischer, Kathrin Nothacker

Editors’ Introduction

Mario Fischer, Kathrin Nothacker

SCHLUSSBERICHT DER 8. VOLLVERSAMMLUNG /
FINAL REPORT 8th GENERAL ASSEMBLY

Befreit – verbunden – engagiert. Schlussbericht der 8. Vollversammlung

Einleitung

Beschlüsse zu den Arbeitsergebnissen 2012–2018

Beschlüsse zu den Arbeitsfeldern der GEKE ab 2019

Anhang 1: Statut der GEKE

Anhang 2: Wahlen: Rat und Präsidium

Anhang 3: Miteinander für Europa – 100 Jahre Ende des Ersten Weltkrieges

Anhang 4: Resolution zur Situation in Syrien und Irak

Anhang 5: Veränderte Paragraphen im Lehrgesprächsergebnis »Kirchengemeinschaft«

Liberated – connected – committed. Final Report 8th General Assembly

Introduction

Resolutions regarding the work conducted 2012–2018

Resolutions on the fields of work for 2019 onwards

Appendix 1: Statute of the CPCE

Appendix 2: Elections: Council and Presidium

Appendix 3: Together for Europe – The centenary of the end of the First World War

Appendix 4: Resolution on the situation in Syria and Iraq.

Appendix 5: Changes to the outcome of the doctrinal discussion »church communion«

IIBERICHTE / REPORTS

Bericht des Präsidiums / The Presidium’s Report

Gemeinsam Kirche sein

Klára Tarr Cselovszky

Being church together.

Klára Tarr Cselovszky

Theologie und Studienarbeit der GEKE (2012–2018)

Michael Weinrich

Theology and study work conducted by the CPCE (2012–2018)

Michael Weinrich

Gemeinsam Kirche sein (Ziele 2018–2024)

Gottfried W. Locher

Being church together (Aims 2018–2024)

Gottfried W. Locher

Bericht des Generalsekretärs / The General Secretary’s Report

Nüchternheit und Freude

Michael Bünker

Sobriety and delight

Michael Bünker

III EINBRINGUNG DER STUDIENERGEBNISSE /
PRESENTATION OF STUDY RESULTS

Einbringung des Lehrgesprächs Kirchengemeinschaft.

André Birmele

Presentation of the Doctrinal conversation on church communion

André Birmele

Studiendokument »Fortbildung für das ordinierte Amt in der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa«

Hans Vium Mikkelsen

Study »Continuing education for the ordained ministry in the Community of Protestant Churches in Europe«

Hans Vium Mikkelsen

Einbringung des Studiendokuments »Pluralität der Religionen in Europa aus evangelischer Sicht«

Reinhold Bernhardt

Study »Protestant perspectives on religious plurality in Europe« Reinhold Bernhardt

Studiendokument »Theologie der Diaspora«

Miriam Rose

Study »Theology of Diaspora«

Miriam Rose

Studie »Bildung für Zukunft«

Michael Martin

Study »Education for a future«

Michael Martin

Gemeinsamer Bericht über die Konsultation der GEKE mit dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen

Christian Schad

Joint report on the consultation between CPCE and the Pontifical Council for Promoting Christian Unity (PCPCU)

Christian Schad

Bericht der Expertengruppe zu Migration und Kirchengemeinschaft

Cordelia Kopsch

Presentation of the report of the expert group on Migration and Church Communion.

Cordelia Kopsch

Bericht über die vom Rat herausgegebenen Orientierungshilfe »Bevor ich dich im Mutterleib gebildet habe …« zu ethischen Fragen der Reproduktionsmedizin

Ulla Schmidt

Report on »Before I formed you in the womb …« A Guide to the Ethics of Reproductive Medicine from the Council

Ulla Schmidt

IV GRUßWORTE /ADRESSES

Mitglied des Regierungsrats Kanton Basel-Stadt

Christoph Brutschin

Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK)

Christian Krieger

General Secretary of the European Baptist Federation

Anthony Peck

General Secretary of the World Council of Churches

Fykse Olav Tveit

General Secretary of the Lutheran World Federation

Martin Junge

Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen.

Matthias Türk

Bishop of Huddersfield, Anglican Churches in England, Ireland, Scotland and Wales

Jonathan Gibbs

General Secretary of the World Communion of Reformed Churches (WCRC)

Chris Ferguson

Präsidentin des Europäisches Gebiet der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen

Martina Wasserloos-Strunk

Apostle and General Secretary of the Unification Council of Cherubim & Seraphim Churches.

Richard Fasunloye

STEWARDS’ INPUT TO THE CPCE’S GENERAL
ASSEMBLY IN BASLE

VI PREDIGTEN/SERMONS

Eröffnungsgottesdienst am 13. September 2018 im Basler Münster über Apg 16, 25–34 – »Das Jerusalemprinzip«

Lukas Kundert

Opening Service September 13th 2018 Münster Basle on Acts 16: 25-34 – »The Jerusalem Principle«

Lukas Kundert

Schweizertag am 16. September 2018 im Basler Münster über Mt 5, 9 – »Peace Maker«

Gottfried W. Locher

Swissday September 16th 2018 Münster Basle on Mt 5: 9 – »Peace Maker«

Gottfried W. Locher

Morgengebet am Montag, 17. September 2018 im Basler Münster über Apg 16, 6-10 – »Paulus am Übergang nach Europa«

Mario Fischer

Monday’s Morning Prayer September 17th 2018 Münster Basle on Acts 16: 6-10 – »Paul’s crossing to Europe«

Mario Fischer

Schlussgottesdienst am Dienstag, 18. September 2018 im Basler Münster über Apg 19, 8-12 – »Kirche, ein Zeichen und Vorgeschmack von Gottes Reich«

John P. Bradbury

Closing Worship September 18th 2018 Münster Basle on Acts 19: 8-12 – »Church, a sign and a foretaste of the Kingdom of God«

John P. Bradbury

VII KEYNOTE ANDREA RICCARDI

Notre responsabilité envers l’avenir de l’Europe

Our Responsibility towards the Future of Europe

VIIIERKLÄRUNG ÜBER DIE ABSICHT, EINEN GEMEINSAMEN DIALOG AUFZUNEHMEN / DECLARATION OF INTENT TO COMMENCE JOINT DIALOGUE

IX ANHANG/ANNEXE

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 8. Vollversammlung / Participants of the 8th General Assembly

Mitgliedskirchen der GEKE / Member Churches of CPCE

Bildteil / Photos

Weitere Bücher / More Books

Endnoten / Endnotes

VORWORT

2018 durfte der Schweizerische Evangelische Kirchenbund zusammen mit der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt Gastgeber der 8.Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa sein. Das war ein Privileg, das mich doppelt gefreut hat, als Ratspräsident des Kirchenbundes und auch als Ratspräsident der GEKE.

Zum ersten Mal hat die GEKE ihre Vollversammlung in der Schweiz abgehalten. Kaum ein anderer Ort war dafür besser geeignet als Basel. Die traditionsreiche Rheinstadt liegt am Dreiländereck Schweiz, Deutschland, Frankreich und steht für das vielsprachige Europa und eine gelebte Einheit in Vielfalt. Die Humanistenstadt steht auch für reformatorische und ökumenische Aufbrüche. Und die Leuenberger Konkordie, die bahnbrechende Erklärung gesamtprotestantischer Kirchengemeinschaft, wurde 1973 auf dem nahen Leuenberg unterzeichnet. In Basel tagte in den Jahren 1431–1481 das Konzil, ein Meilenstein der Kirchenreform, sowie im Jahre 1989 die Erste Ökumenische Versammlung »Frieden durch Gerechtigkeit«, an der alle Kirchen Europas zur richtigen Zeit gemeinsam ihre Stimme erhoben gegen die Bedrohungen durch Armut, Krieg und Umweltzerstörung.

Die Schweiz ist Teil Europas – auch kirchlich. Zum Ausdruck kam das an der Vollversammlung besonders auch durch den »Schweizertag«, welcher am sogenannten Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag gefeiert wurde. Er begann mit einem Festgottesdienst, an welchem auch die schweizerische Landesregierung bei uns in Basel zu Gast war. »Befreit – Verbunden – Engagiert«: Das Motto der Vollversammlung brachte dann Delegierte und Gäste aus ganz Europa zu Begegnungen, Workshops und Besichtigungen zusammen. Kirchengemeinschaft über Landesgrenzen hinaus wurde so auf eine einfache, bewegende Art erfahrbar.

Die allseits hohen Erwartungen an die 8.Vollversammlung wurden, so meine ich, in überzeugender Weise erfüllt. Die Vielfalt des europäischen Protestantismus und der Geist der Verbundenheit waren spürbar. Unsere Versammlung war von konsensorientierten Gesprächen und Verhandlungen zu einem beeindruckenden Spektrum an gemeinsamen Themen geprägt. Dazu trug sicherlich die einmalige »Konzils-Atmosphäre« des Basler Münsters bei, in welchem die Versammlung tagte. Es wurde deutlich, dass die evangelischen Kirchen Europas auf immer verbindlichere Weise gemeinsam als Kirche unterwegs sind.

Die Beschlüsse zur bisherigen und zukünftigen Arbeit der GEKE werden in dem hier vorliegenden Berichtsband dokumentiert. Daneben möchte ich zwei weitere wichtige Ergebnisse herausgreifen. Unter dem Titel »Miteinander für Europa« hat die Vollversammlung aus Anlass des Endes des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren ein eindringliches Friedenswort veröffentlicht. An den darin aufgeworfenen Fragen wird die GEKE weiterarbeiten. Ferner wurde mit Kurt Kardinal Koch im Rahmen des Festgottesdienstes eine Absichtserklärung zu einem neuen offiziellen Dialog unterzeichnet. Der Dialog wird den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und die GEKE an einen Tisch bringen. Im Zentrum steht das Verständnis von Kirche und Kirchengemeinschaft. Damit konnten wir in der Konzils- und Reformationsstadt Basel im Herzen Europas ein schönes ökumenisches Zeichen setzen.

Die 8. Vollversammlung: Wir haben erlebt, was Einheit in versöhnter Vielfalt konkret heißt. Gestärkt, ermutigt und mit vielen neuen Projektideen ausgestattet machen wir uns an die Weiterarbeit. Der Grundauftrag bleibt freilich derjenige, der er immer schon war: die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat. Verkündigung in Wort und Tat: In dieser Aufgabe steht jede Kirche, die ganze Kirche und also auch unsere Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa.

Gottfried Locher

Geschäftsführender Präsident der Gemeinschaft

Evangelischer Kirchen in Europa

Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds

FOREWORD

In 2018, the Federation of Swiss Protestant Churches and the Evangelical Reformed Church of the City of Basle had the pleasure of hosting the 8th General Assembly of the Community of Protestant Churches in Europe. It was a privilege that I relished in a dual sense as the Council President of both the FSPC and the CPCE.

This was the first CPCE General Assembly tobe held in Switzerland, and there could hardly have been a more fitting location than Basle. This tradition-steeped city on the banks of the Rhine, at the meeting point between Switzerland, Germany and France, embodies multilingual Europe and unity lived in diversity. With its firm humanist roots, Basle also spawned Reformationist and ecumenical uprisings. Furthermore, the groundbreaking Leuenberg Agreement heralding fellowship throughout the Protestant churches was signed in 1973 on the local hill of that name. The Council of Basle, a milestone in church reform, convened here from 1431 to 1481; and the first European Ecumenical Assembly, entitled »Peace through Justice«, was held in Basle in 1989 – at which all the churches of Europe raised their voices as one at just the right time to speak out against the threats presented by poverty, war and environmental destruction.

Switzerland is part of Europe – also in terms of the Church. This was clearly apparent during the General Assembly, particularly on »Swiss Day«, which coincided with the celebrations of Switzerland’s Day of Thanksgiving, Repentance and Prayer. The day started with a celebratory service of worship in Basle Cathedral, at which we were joined by members of the Swiss Federal Council. Under the banner »liberated – connected – committed«, delegates and guests came from all over Europe to participate in the gatherings, workshops and guided tours that formed part of the General Assembly. These simple and moving experiences brought church communion to life across national boundaries.

The high expectations that everyone had of the 8th General Assembly were amply fulfilled, in my eyes. The diversity of European Protestantism and the spiritual sense of connection were quite tangible. Our Assembly was characterised by consensus-led talks and negotiations on an impressive spectrum of common themes. The unique »Council atmosphere« of Basle Cathedral as our venue undoubtedly helped set the stage. It became evident that the Protestant churches in Europe are acting as an increasingly united Church.

The resolutions regarding the existing and future work of the CPCE are presented in this record of proceedings. In addition, I would like to highlight two further important outcomes. Under the heading »Together for Europe«, the General Assembly issued a poignant message of peace to mark the centenary of the end of the First World War. The CPCE will continue to work on the points raised therein. Furthermore, during the celebratory service of worship, a Declaration of Intent was signed with Kurt Cardinal Koch, heralding new official dialogue. These discussions will gather the Pontifical Council for Promoting Christian Unity and the CPCE at one table to focus on the understanding of church and church communion. This ceremonial act in the Council and Reformation city of Basle sent out a beautiful signal of ecumenism right in the heart of Europe.

The 8th General Assembly enabled us to experience what unity in reconciled diversity really means. Invigorated, emboldened and inspired with many new ideas for projects, we now set out to continue our work. Our underlying mission of course remains the same as ever: proclaiming the Gospel in word and deed. Proclaiming the Gospel in word and deed is the task of every church, the entire church, and thus also our communion of Protestant churches in Europe.

Gottfried Locher

Executive President of the Community of Protestant

Churches in Europe

Council President of the Federation of Swiss Protestant Churches

Mario Fischer, Kathrin Nothacker

EINLEITUNG DER HERAUSGEBER

DIE 8. VOLLVERSAMMLUNG

Die 8. Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa traf sich vom 13. bis 18. September 2018 im Münster zu Basel unter dem Motto: »Befreit-Verbunden-Engagiert«. Unter diesem Titel erscheint auch der vorliegende Berichtsband, der die zentralen Beschlüsse und Texte der Vollversammlung dokumentiert.

Es waren warme spätsommerliche Tage, an denen 96 Delegierte und 52 Gäste an den fünf Tagen der Vollversammlung im Münster zu Basel und im angrenzenden Bischofshof tagten. Die Atmosphäre war geprägt vom Ort der Tagung: Die Stadt Basel im Dreiländereck gelegen zwischen der Schweiz, Frankreich und Deutschland mit einer langen und traditionsreichen Geschichte und einer vielfältigen und multikulturellen Gegenwart strahlte auf die Arbeit der Vollversammlung aus. Erstmals wurde in einer Kathedrale getagt. Gottesdienstliches Feiern und intensive theologische Debatten fanden unter einem Dach statt. Das Münster selbst und die Räume im Bischofshof befinden sich auf einer Anhöhe, von der aus man den länderverbindenden Rhein und die angrenzenden Regionen in jeder Pause gut überblicken konnte. Der Ort sorgte für Weite, für horizontübergreifendes Denken und Feiern und trug einen großen Teil dazu bei, dass während der fünf Tage des Zusammenseins das Kennzeichen der GEKE, die Einheit in versöhnter Vielfalt, immer wieder sichtbar und erfahrbar wurde.

Zu einem Markenzeichen der 8.Vollversammlung wurde ihr Logo: eine stilisierte Pusteblume mit einzelnen wegfliegenden Samen. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa hat den Anspruch, mit ihrer Vollversammlung in die Welt hineinzuwirken. Wie der Samen der Pusteblume durch den Wind weggetragen wird, so sollen die Impulse der Vollversammlung in die Mitgliedskirchen und in die europäischen Gesellschaften hineingetragen werden. Und gleichzeitig erinnert das Logo an eine Rosette, die das Basler Münster als Gottesdienst- und Tagungsort im Blick behält.

Das Basler Münster hatte schon andere internationale kirchliche Großveranstaltungen beherbergt, so das Konzil im 15. Jahrhundert und die Erste Europäische Ökumenische Versammlung 1989. Doch damals brachten die Teilnehmenden keine Laptops mit, brauchten kein Internet und mussten keine Auflagen in Bezug auf Barrierefreiheit und Sicherheitsstandards einhalten. Die Planungen der Vollversammlung an diesem historischen Ort hatten folglich einen langen Vorlauf und waren von einem hohen technischen Aufwand geprägt. Dass die fünftägige Versammlung bei WIFI und Kerzenschein gelungen ist, ist nicht zuletzt den Verantwortlichen und Mitarbeitenden vor Ort unter der Leitung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) und der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt zu verdanken. Es war ein enormer Aufwand, das Münster für die Tagung und die Gottesdienste immer wieder umzubauen, in den Gruppenräumen für die nötige Ausrüstung auch für Simultanübersetzungen zu sorgen und für fast 200 Delegierte, Gäste und Mitarbeitende die Mahlzeiten im mobilen Verpflegungszelt, dem »Café Leuenberg«, zu ermöglichen.

STEWARDS

Es ist dem großen Einsatz der 15 Stewards und der hauptamtlichen Mitarbeitenden im Basler Münster zu verdanken, dass die Vollversammlung an diesem besonderen Ort gelungen ist. Fünfzehn Studierende der Theologie aus der Schweiz, Deutschland, Ungarn, Rumänien, Tschechien und Großbritannien haben sich als Stewards eingebracht. Unter der Leitung von Pfarrerin Katharina Meckbach, einer früheren Sondervikarin bei der GEKE, haben sie sich in einer Vorkonferenz mit den Themen und den Studiendokumenten der Vollversammlung inhaltlich beschäftigt und einen Einblick in die Ökumene und in die aktuellen theologischen Diskussionen und Fragestellungen der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa erhalten. Sie selbst brachten sich am Beginn der Vollversammlung mit einem eigenen Beitrag ein und formulierten ihre Vision von Kirche.

GOTTESDIENSTLICHES LEBEN

Arbeiten und Beten. Beten und Arbeiten. Das Münster in Basel war während der Tage der Vollversammlung ein Ort, an dem die alte benediktinische Tradition auflebte. Die Morgen- und Abendgebete wurden im Hochchor des Münsters gefeiert. Das Kirchenschiff war in Konzilsbestuhlung mit Tischen eingerichtet. Ganz nahe an den wunderbar ausgeleuchteten Kapitellen des romanischen Hochchors wurde gesungen, gebetet, das Wort Gottes ausgelegt und das Heilige Abendmahl gefeiert. Es waren besonders dichte und geistlich tiefgehende Momente, wenn in den Andachten und Gottesdiensten vorwiegend Texte aus der Apostelgeschichte zu Gehör kamen. Sie beschreiben die Anfänge der christlichen Gemeinde und die Ausbreitung des Evangeliums in die Welt. In den Auslegungen wurde immer wieder auf ihre Bedeutung für die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und für deren Gegenwart hingewiesen.

Dieser Band enthält vier Predigten, die an markanten Stellen der Vollversammlung gehalten wurden.

Sich diesen Bibeltexten während der Vollversammlung zuzuwenden, hatte seinen Grund auch darin, dass der Ursprung dieser Texte in einer Region liegt, in der seit Jahren Krieg herrscht. Christen und Christinnen erleben dort täglich Gefahr und Bedrohungen wegen ihres Glaubens. Die Verbundenheit untereinander und mit den verfolgten Brüdern und Schwestern sollte ein wichtiges Element des gemeinsamen Betens und Feierns sein.

Die Konzeption des gottesdienstlichen Lebens wurde von Prof. Dr. Jochen Arnold, dem Liturgiebeauftragten des Rates der GEKE, und Pfarrerin Adél Dávid entwickelt. Ein eigenes Booklet mit Gebeten und Texten in den drei Sprachen Englisch, Deutsch und Französisch für die täglichen Andachten am Morgen, Mittag und Abend gab den gottesdienstlichen Feiern und Andachten eine Struktur. Die musikalische Gestaltung der Andachten lag in den Händen von Jochen Arnold, der zusammen mit einer kleinen Gruppe von Stewards das gemeinsame Singen anleitete und begleitete.

Im gottesdienstlichen Leben wurde immer wieder der Dreischritt des Vollversammlungsmottos deutlich:

Aus Gottes Freiheit schöpfen wir und sind befreit.

In Christus sind wir über Länder und Konfessionen und Zeiten verbunden.

Als Befreite und Verbundene engagieren wir uns in Wort und Tat.

FELLOWSHIP OF MIDDLE EAST EVANGELICAL CHURCHES

Die Verbundenheit mit den Geschwistern im Nahen Osten wurde in einer Morgenandacht von der Generalsekretärin der Fellowship of Middle East Evangelical Churches (FMEEC), Rosangela Jarjour, aufgenommen. Sie wies – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der eigenen Situation der mit der GEKE verbundenen Mitgliedskirchen der FMEEC – darauf hin, dass sich die Kirche an der Seite der Verwundeten, Müden und Unglücklichen wiederfindet und dass sie ihre Hand zur Hilfe ausstreckt, um den Mühseligen und Beladenen aufzuhelfen. Sie erwähnte auch, dass die Verbundenheit zwischen GEKE und FMEEC durch viele Beziehungen und durch solidarisches Handeln zwischen den Kirchen besonders seit Ausbruch des Syrien-Krieges an vielen Stellen zum Ausdruck kommt.

Die Vollversammlung ihrerseits verabschiedete eine Erklärung zur Situation der Christen in Syrien und im Irak. Die Mitgliedskirchen verpflichten sich, ihre Partnerschafts- und Hilfsprogramme in der Region weiter zu stärken, um den Opfern des Krieges zu helfen und dazu beizutragen, dass das christliche Zeugnis in der Region wahr- und ernstgenommen werden kann.

BEGEGNUNGEN

Die Vollversammlung lebte von den Begegnungen und Gesprächen unter den Teilnehmenden zwischen den Tagungseinheiten, bei den Mahlzeiten und bei besonderen Formaten des Zusammenkommens. Der Eröffnungsabend am Donnerstag wurde von den Kirchen der Region, die sich in der Konferenz der Kirchen am Rhein, einer Regionalgruppe der GEKE, zusammengeschlossen haben, gestaltet. Es war vor allem ein kulinarisches Erlebnis bei Brot und Käse und besonderen Weinen aus der Region, das sie den Delegierten boten. Auch der Schweizertag am Sonntag, vorbereitet und durchgeführt vom SEK, war eine gute Gelegenheit mit den gastgebenden Kirchen der Schweiz ins Gespräch zu kommen, die Stadt kennenzulernen und sich mit den Repräsentanten von Staat und Kirche auszutauschen. Der Abschlussabend der Vollversammlung stand ganz im Lichte von Verabschiedungen. Der langjährige Generalsekretär und österreichische Bischof Hon. Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Bünker und der Rat der GEKE wurden auf einer Schifffahrt auf dem Rhein im Dreiländereck gewürdigt und gefeiert. Wertschätzende Reden und Dankesworte durch den Präsidenten der GEKE und durch Michael Bünker selbst prägten den Abend, der beschlossen wurde von einem musikalischen Beitrag am Schlagzeug durch den scheidenden Generalsekretär.

Eine Vielzahl von ökumenischen Gästen brachte den ökumenischen Horizont der GEKE zum Ausdruck. Alle Grußworte der Gäste sind in diesem Band abgedruckt, jeweils in der Sprache, in der sie gehalten wurden.

Das Gespräch mit der römisch-katholischen Kirche zu Fragen von Kirche und Kirchengemeinschaft wird intensiviert werden. Im Rahmen des Gottesdienstes am Schweizertag unterzeichneten der geschäftsführende Präsident der GEKE, Ratspräsident Dr. Dr. h. c. Gottfried Locher, und der Präsident des päpstlichen Einheitsrates, Kurt Kardinal Koch, feierlich eine Erklärung, einen offiziellen Dialog aufzunehmen. Auch diese Erklärung ist im vorliegenden Berichtsband enthalten.

BERICHTE

Unter der Überschrift »Gemeinsam Kirche sein« präsentierten die Präsidentin und die Präsidenten der GEKE ihren dreigeteilten Bericht. Dr. Klára Tarr Cselovszky blickte auf die prägenden Ereignisse und per sonellen Veränderungen der zurückliegenden Ratsperiode zurück. Sie markierte Schwerpunktsetzungen der GEKE vor allem im Bereich der gelebten und vertieften Kirchengemeinschaft in einem sich schnell verändernden Europa. Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Weinrich beschrieb in seinem Teil des Berichts die theologischen Studienprozesse als wesentliches und anerkanntes Kennzeichen der GEKE und ordnete diese theologische Arbeit ein in einen Horizont, der immer wieder die Ökumene und die zu vertiefende Kirchengemeinschaft in den Blick nimmt. Ratspräsident Dr. Dr. h.c. Gottfried Locher führte die Delegierten in die Überlegungen ein, die zur Formulierung der Ziele und Maßnahmen führten, die im Strategiepapier »Gemeinsam Kirche sein – Ziele 2018–2024« beschrieben sind. Er erläuterte, dass die Formulierung von Zielen und die Festlegung von davon abzuleitenden Maßnahmen bis ins Jahr 2024 für die Kirchen gemeinschaft eine wichtige Verständigung darstellen, sich den Herausforderungen eines sich schnell verändernden Europas zu stellen, die Kirchengemeinschaft sichtbar und ihre Stimme hörbar zu machen und Verantwortung für Europa wahrzunehmen.

Bischof Dr. Dr. h.c. Michael Bünker, der Generalsekretär der GEKE, präsentierte der Vollversammlung zum letzten Mal seinen Bericht. Er verabschiedete sich nach der Vollversammlung in den Ruhestand. Nachdem er seinen Bericht im Jahr 2012 unter die Überschrift »Möglichkeitssinn und Wirklichkeitssinn« gestellt hatte, überschrieb er ihn jetzt mit »Nüchternheit und Freude«. Michael Bünker markierte darin besondere Ereignisse, Herausforderungen und wichtige Wegmarken seit der 7.Vollversammlung in Florenz. Der europäische Horizont der Arbeit in der GEKE müsse immer mehr und immer intensiver zum Ausdruck kommen. Der Beitrag evangelischer Kirchen für Europa solle geprägt sein von Nüchternheit und Freude. Mit Nüchternheit und Freude nach vorne blicken und nach vorne gehen, dazu ermutigte der scheidende Generalsekretär in seinem Bericht, der mit stehendem Applaus von der Vollversammlung gewürdigt wurde.

ARBEITSERGEBNISSE UND BESCHLÜSSE

Die Vollversammlung beschäftigte sich an zwei Tagen mit abgeschlossenen Studienprozessen und Studiendokumenten, die die 7.Vollversammlung in Florenz beauftragt hatte und deren Abschluss dokumentiert wurde. Die Vollversammlung verabschiedete die Dokumente und traf Beschlüsse über deren Verwendung. Bei der Beschlussfassung kam erstmals ein GEKE-eigenes Glossar zum Einsatz. In diesem Glossar ist die in der GEKE gebräuchliche Terminologie in drei Sprachen zusammengestellt und erklärt. Darüber hinaus enthält das Glossar eine Hierarchie der Zustimmung ebenfalls in allen drei Sprachen, so dass bei den Abstimmungen bei allen Teilnehmenden Klarheit vorhanden war über die Feinheiten der Beschlüsse und welche Konsequenzen sie für die Kirchengemeinschaft und die Mitgliedskirchen haben.

Bevor Beschlüsse im Plenum gefasst wurden, diskutierten die Delegierten in Arbeitsgruppen die Studiendokumente, deren Entstehung und inhaltliche Profilierung. Dies führte in der Regel nicht zu Änderungen an den Dokumenten oder zu grundsätzlichen Debatten. Vielmehr fand ein Austausch statt, wie die Studiendokumente in den Mitgliedskirchen rezipiert werden können und wie die Studienarbeit der GEKE und deren Ergebnisse in den Kirchen bekannt gemacht und weiter diskutiert werden können.

Die Ergebnisse der Studienprozesse wurden im Plenum der Vollversammlung eingebracht, in der Regel von einem Mitglied der Arbeitsgruppe, das die Studienarbeit eng begleitet hat. Diese Einbringungsreden sind in diesem Berichtsband enthalten. Sie dokumentieren die wesentlichen Inhalte des Studienprozesses oder des Lehrgesprächs, berichten über die Diskussionen in den Kirchen und deren Rückmeldungen im Stellungnahmeverfahren und geben eine Empfehlung an die Vollversammlung ab, wie mit dem Ergebnis weitergearbeitet werden kann. Die Studiendokumente selbst werden separat veröffentlicht oder sind es bereits. Sie sind wegen des Umfangs nicht in diesem Berichtsband enthalten.

Wer sich einen schnellen Überblick verschaffen möchte über die abgeschlossenen Studienprozesse der GEKE und die dazu gefassten Beschlüsse, findet diese im Schlussbericht. In ihm sind auch die Zukunftsthemen enthalten und eine Liste der Mitglieder des Rates, der am 14. September 2018 gewählt wurde.

ÄNDERUNG DES STATUTS

Als Anhang des Schlussberichts findet sich die geänderte Fassung des Statuts der GEKE. Das Statut der GEKE war 2006 von der 6.Vollversammlung in Budapest beschlossen worden. Es war bewusst sehr knapp gehalten. Es schuf Klarheit für die Aufgaben und Zuständigkeiten innerhalb der Kirchengemeinschaft, wenn auch viele Fragen ungeklärt blieben und sich erst in der Praxis stellten. In der Rechtsvertretung nach außen zeigte sich, dass die Beschreibung der Rechtsstellung der GEKE in §2(I) mit den Worten »Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa ist eine Körperschaft des Kirchenrechtes« nicht zur Klarheit beitrug. Auch wenn das Statut dies zuließ, war die GEKE bislang nicht als juristische Person organisiert und daher auch nicht rechtsfähig. Mit dem Beschluss des Rates im Jahre 2017, die Geschäftsstelle der GEKE dauerhaft in Wien anzusiedeln und den Entscheidungen der Evangelischen Kirche A. und H.B. in Österreich, die GEKE bei diesem Weg zu unterstützen, waren die Bedingungen für die GEKE erfüllt, in der Republik Österreich die Stellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zu erwerben. Im Rahmen dieses Verfahrens wurde klar, dass dies auch mit Änderungen im Statut der GEKE einhergehen muss. Zumindest muss das Statut auf die geänderte Rechtsstellung Bezug nehmen. Weitere Änderungen im Statut dienen dazu, Regelungen und Gewohnheiten, die sich auf Grundlage des Statuts in den vergangenen 12 Jahren in der GEKE bewährt haben, festzuschreiben, bzw. mögliche Fälle, wie das Ausscheiden einer Mitgliedskirche oder die Auflösung der GEKE vorab zu bedenken. Das geänderte Statut der GEKE sieht nun sowohl den Austritt einzelner Kirchen als auch deren Ausschluss aus der GEKE vor. Letzteren kann nur die Vollversammlung erklären, nachdem zuvor festgestellt wurde, dass kein gemeinsames Verständnis des Evangeliums mehr besteht. So bilden sich in den Rechtsformulierungen des Statuts auch die theologischen Einsichten der Lehrgespräche ab.

MITEINANDER FÜR EUROPA – 100 JAHRE ENDE DES ERSTEN WELTKRIEGES: GEMEINSAMES ERINNERN FÜR DIE ZUKUNFT

Die Vollversammlung hatte es sich zum Ziel gesetzt, ein gemeinsames Wort zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren zu veröffentlichen. Es war ein intensives Ringen um dieses gemeinsame Wort. Und es war herausfordernd, zu einer gemeinsamen Botschaft zu kommen, welche die unterschiedlichen Narrative nicht übertüncht und dennoch einen gemeinsamen Blick in die Zukunft wagt und eine Botschaft für das Hier und Heute in Europa hat. Das Friedenswort unter der Überschrift »Miteinander für Europa – 100 Jahre Ende des Ersten Weltkrieges: Gemeinsames Erinnern für die Zukunft« fragt nach der Schuld, benennt die bleibende Aufgabe der Versöhnung, widmet sich der Frage von Migration und Minderheiten und hebt die Herausforderung von Demokratie und Zivilgesellschaft hervor. Dass dieses gemeinsame Wort möglich wurde, hängt auch daran, dass die Mitgliedskirchen der GEKE sich weiterhin offensiv zu einer versöhnten Verschiedenheit bekennen. Das Friedenswort kann durchaus als eine Botschaft in die europäische Öffentlichkeit hinein verstanden werden. Der selbstkritisch-kritische Rückblick der Kirchen in diesem Wort weist in die Zukunft und kann und soll dazu helfen, gerechte Strukturen in Europa aufzubauen und zu erhalten und gleichzeitig den Blick auf die globalen Herausforderungen zu richten.

Das Friedenswort endet mit den Worten: »Die evangelischen Kirchen verabreden, das Gespräch untereinander zu diesem Wort zu suchen und in der Gesellschaft, in der sie leben, zur Sprache zu bringen. Angesichts der verheerenden und langfristigen Auswirkungen des Krieges wissen die Kirchen um die Bedeutung des Einsatzes für den Frieden und der zivilen Konfliktprävention.« Es findet sich im Anhang des Schlussberichts.

KEYNOTE ANDREA RICCARDI

Am Übergang zwischen dem Abschluss der Studienprozesse der vergangenen Periode und der Debatte um die Zukunftsthemen der GEKE in den kommenden fünf Jahren war die Keynote von Prof. Dr. Andrea Riccardi platziert. In seinem Vortrag »Verantwortung für die Zukunft Europas«, den er in der Leonhardskirche hielt, sprach der Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio in Rom über die Angst als neue Krankheit Europas. Die Chance der Christen, sich von dieser Krankheit befreien zu lassen und so dem grauen Horizont den Rücken zu kehren, liege in der Umkehr zum Nächsten. Das Evangelium befreie von Egoismus und öffne für Beziehungen und Gemeinschaft, es befreie von der Angst vor Fremden und lasse empfänglich werden für Freundschaft, es befreie von der Dominanz des Geldes und eröffne das Sakrament der Armen. Er rief in seinem Vortrag dazu auf, an die Ränder zu gehen und das Evangelium der Armen in den Mittelpunkt des Redens und Handelns zu stellen. In dieser extrovertierten Existenz, in der Zuwendung zu anderen Menschen, erwachse Zukunft. Riccardi hielt die Keynote auf Französisch. So ist sie auch in diesem Band enthalten. Eine englische Übersetzung wurde erstellt und findet sich ebenfalls in diesem Berichtsband.

WAS SIND DIE ZUKÜNFTIGEN THEMEN DER GEKE?

In den Gruppenarbeitsphasen beschritt die Vollversammlung in Basel einen neuen Weg gegenüber den bisherigen Vollversammlungen. Die Arbeitsprozesse der vergangenen sechs Jahre wurden in Arbeitsgruppen am Freitag und Themengruppen am Samstag behandelt. In den Zukunftsateliers am Montag wurde über eine Fülle von Themen und Fragestellungen gesprochen, die für die Kirchen und für die kommenden sechs Jahre von Bedeutung sind. Die Zukunftsthemen der GEKE sind geprägt von der Wahrnehmung einer sich verändernden Situation der protestantischen Kirchen in Europa. Immer deutlicher nehmen die Kirchen wahr, dass sie sich angesichts von Säkularisierung und religiöser Pluralität deutlicher profilieren und artikulieren müssen.

Deshalb wünschen sie sich ein Lehrgespräch zum Thema: »Christliche Rede von Gott«. Das Thema soll aus evangelischer Perspektive beleuchtet werden. In den Blick genommen werden sollen möglichst viele Bereiche, in denen sich Kirche in der Öffentlichkeit artikuliert und von Gott spricht: in der Verkündigung, in der Seelsorge, im Unterricht und in kirchlichen Stellungnahmen und Verlautbarungen.

Die ethischen Differenzen innerhalb der Kirchengemeinschaft nehmen zu. Deshalb wird es für die GEKE eine wichtige Frage sein, wie die Kirchengemeinschaft angesichts dieser Differenzen gelebt und vielleicht trotz dieser Differenzen vertieft werden kann. Der Rat hat entschieden, einen Studienprozess zum Thema »Sexualität und Gender« zu initiieren, in dem diese Frage exemplarisch behandelt wird.

In das Feld der Ethik gehört auch die Frage nach der Demokratie als Herausforderung für Kirchen und Gesellschaften. Hier wird angeregt, dass in einen Studienprozess zu diesem Thema die Regionalgruppen mit ihren spezifischen Erfahrungen aus der Praxis eingebunden werden.

Angesichts von Säkularisierung und religiöser Pluralität wünscht sich die Vollversammlung auch intensivierte ökumenische Dialoge. Sie hält es für unverzichtbar, dass die christliche Stimme in Europa deutlich vernehmbar ist. Dafür sollen alle Verbindungen zu Kirchen und Organisationen gestärkt werden, die innerhalb Europas diese christliche Stimme vertreten.

Ein Studienprozess zur Theologie des Abendmahls soll initiiert werden. Dabei geht es darum zu fragen, was es heißt, in einer multikulturellen Welt eine einladende Kirche zu sein.

Bleibendes Thema ist, die Kirchengemeinschaft zu stärken und zu vertiefen. Das Lehrgespräch »Kirchengemeinschaft« hat hierbei schon die Frage der Verbindlichkeit in den Mittelpunkt gestellt. Es geht letztlich darum, was es bedeutet, dass die in der GEKE verbundenen Kirchen »gemeinsam Kirche« sind.

Die GEKE wird sich in den nächsten Jahren auch weiterhin mit dem Thema Migration und Kirchengemeinschaft befassen. Es entstehen in Europa immer mehr Kirchen, in denen sich Migrantinnen und Migranten beheimaten. Mit ihnen im Gespräch zu sein, Verbindendens und Trennendes zu benennen und zu diskutieren, sich in theologischen Fragen auszutauschen und die Fragen einer verbindlichen Kirchengemeinschaft zu erörtern, wird die Aufgabe des neu zu gründenden Fachbeirats für Migration und Kirchengemeinschaft sein.

Große Einigkeit herrschte unter den Delegierten, dass die GEKE künftig zwar weiterhin schwerpunktmäßig theologische Studienprozesse initiieren und begleiten wird, dass sich die Kirchengemeinschaft aber auch noch deutlicher in Zeugnis und Dienst an der Welt ausdrücken soll. Die GEKE soll daher eine zunehmende Verantwortung im Bereich der innerkirchlichen Solidarität wahrnehmen. Dazu braucht sie die kirchlichen Hilfswerke als Projektpartner. Insbesondere das Gustav-Adolf-Werk Leipzig soll zu einem wichtigen Partner der GEKE werden, der die unterschiedlichen Hilfsprojekte koordiniert.

Das Thema Bildung bleibt ein wichtiges Anliegen der GEKE. Auch für diesen Bereich soll es künftig einen Fachbeirat geben, der alle Bildungsprozesse auf der Ebene der GEKE begleiten soll.

WAS BLEIBT?

Die angenommenen Dokumente nahmen zwei unterschiedliche Perspektiven in der Kirchengemeinschaft ein: Das Lehrgespräch »Kirchengemeinschaft« befasste sich mit den internen theologischen Fragen der GEKE und trug zur Klärung und Bestandsaufnahme dessen bei, was Kirchengemeinschaft impliziert. Dies fand auch Niederschlag im geänderten Statut. Die Studienprozesse »Theologie der Diaspora« und »Pluralität der Religionen« wandten sich den Fragen zu, die in den Mitgliedskirchen derzeit und in den kommenden Jahren diskutiert werden und für die daher eine Diskussionsbasis geschaffen wurde.

Es ist sicher noch zu früh, eine Bilanz zu ziehen, was an theologischen Impulsen von dieser Vollversammlung bleibt. Wichtig festzuhalten ist jedoch sicher dies: Die sich rasch verändernden Realitäten innerhalb Europas verändern auch die Kirchen. Sie fordern sie heraus, sich wieder verstärkt mit ihrem Auftrag für die Welt zu beschäftigen. Dazu müssen sie klug wahrnehmen, wie religiöse Pluralität und Säkularisierung auf ihr Selbstverständnis und ihren Auftrag wirken. Die Studiendokumente »Theologie der Diaspora« und »Pluralität der Religionen« bieten dazu wichtige Erkenntnisse und Impulse. Andererseits handeln und denken die evangelischen Kirchen in Europa dabei nicht isoliert, sondern stehen schon in Gemeinschaft mit Kirchen, die sich ähnlichen Herausforderungen stellen müssen. Die Kirchengemeinschaft sollte daher in den Überlegungen und Entscheidungen der einzelnen Mitgliedskirchen eine Rolle spielen, wie es das Lehrgespräch »Kirchengemeinschaft« herausstellt. Es wäre wünschenswert, das ist auch die Überzeugung der 8.Vollversammlung, dass diese wertvollen theologischen Texte in den Kirchen rezipiert werden. Orte dafür können die theologischen Fakultäten, aber auch Pfarrkonvente, die Kirchenleitungen mit ihren theologischen Abteilungen und die Ausbildungsstätten der Kirchen sein. Ein dezidierter Wunsch der Arbeitsgruppen war es, die Studiendokumente einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aus diesem Grund werden alle Studientexte auf Englisch und Deutsch veröffentlicht. Die französischen Versionen liegen in der Regel als pdf vor.

PRESSE UND ÖFFENTLICHKEIT

Die Vollversammlung in Basel war eine innerkirchliche Veranstaltung. Sie hatte für die Delegierten der teilnehmenden Kirchen einen hohen Stellenwert. Gäste und Beobachter kamen vorwiegend aus der angrenzenden Region. Die Schweizer und Basler Öffentlichkeit partizipierte an der Vollversammlung im Rahmen des Schweizertages. Tagesaktuell dokumentiert wurden die Beratungen und Beschlüsse der Vollversammlung auf der Vollversammlungswebsite und per Facebook. Journalistinnen und Journalisten für Print und Radio aus der Schweiz, Italien, Deutschland, Österreich und Polen waren bei der Vollversammlung akkreditiert und informierten in ihren jeweiligen Ländern. Aus Polen und der Schweiz kamen auch Fernsehteams, die von der Vollversammlung berichteten.

Im Nachgang zur Vollversammlung erschienen im deutschsprachigen Raum in kirchlichen Medien verschiedene Dokumentationen und Sonderhefte zur Vollversammlung. Hingewiesen sei an dieser Stelle auf die epd- Dokumentation vom Januar 2019 und die Beiträge im Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim (05/2018), auf einen Berichtsband der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zur 8.Vollversammlung vom November 2018 und auf den Bericht von Jürgen Wandel in zeitzeichen 11/2018.

STRUKTUR UND SPRACHEN DES BERICHTSBANDES

Die Vollversammlung tagte zweisprachig und nicht mehr dreisprachig. Im Plenum und den Arbeitsgruppen wurde Englisch und Deutsch gesprochen und an etlichen Stellen simultan übersetzt. Demzufolge sind auch die Beiträge in diesem Berichtsband auf Deutsch und Englisch. Sie stehen jeweils in den beiden Sprachen hintereinander, so dass eine Übersichtlichkeit gewährleistet ist. Die Grußworte sind ausschließlich in der Sprache, in der sie gehalten wurden, abgedruckt. Der Tagungsort in der Schweiz brachte es mit sich, dass die von Schweizern und Schweizerinnen verfassten Texte mit der Schweizer Orthographie abgedruckt sind. Einige Dokumente der Vollversammlung, die bisher online abrufbar waren, wurden für diesen Berichtsband nochmals redaktionell überarbeitet. Dies betrifft insbesondere die englische Version des Final Report. Die im vorliegenden Band abgedruckte Version ist die letztgültige. Auf die größere Anzahl von Bildern am Ende des Berichtsbandes sei an dieser Stelle hingewiesen. Sie stammen alle vom Schweizer Fotografen Oliver Hochstrasser.

DANK

Zuletzt gilt es Dank zu sagen: Zuerst der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt und ihrem Präsidenten, Prof. Dr. Lukas Kundert. Dass die Vollversammlung in einer Kathedrale stattfinden konnte, deren Anfänge im 12. Jahrhundert liegen, dass Menschen sich an diesem Ort wohlfühlten und eine geistliche Gemeinschaft erlebbar war, ist maßgeblich den Mitarbeitenden und Verantwortlichen der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt geschuldet. Stellvertretend für die vor Ort Mitarbeitenden sei die Sigristin des Münsters genannt, Sandra Schmied, ohne deren großen Einsatz diese Tagung sicher nicht so gelungen wäre.

Unser Dank gilt auch den Übersetzerinnen und Übersetzern, den Dolmetscherinnen und Dolmetschern. Auch sie waren vor, während und nach der Vollversammlung im Dauereinsatz. Namentlich genannt sollen hier sein: Elaine Griffiths und Stephan Johanus, sowie Dr. Julia Teschner, Christian Kempf und Dr. Hartmut Lucke.

Der Evangelischen Verlagsanstalt danken wir für die gute Kooperation und die zuverlässige Zusammenarbeit bei dieser Drucklegung.

Wir wünschen dem Band interessierte und geneigte Leserinnen und Leser und freuen uns, wenn der Samen von Basel Verbreitung findet in den Kirchen und in Europa.

Wien, im Mai 2019

Dr. Mario Fischer

Kathrin Nothacker

Mario Fischer, Kathrin Nothacker

EDITORS’ INTRODUCTION

THE 8th GENERAL ASSEMBLY

The 8th General Assembly of the Community of Protestant Churches in Europe convened from 13 to 18 September 2018 in Basle Cathedral under the banner »liberated – connected – committed«. That is also the title of this Report of Proceedings, which provides a record of all the key resolutions and texts from the General Assembly.

The 96 delegates and 52 guests were treated to warm, late-summer weather throughout the five days on which the General Assembly was conducted in Basle Cathedral and the adjoining Bishop’s Palace. The atmosphere for the conference was set by the auspicious venue. Located at the crossroads between Switzerland, France and Germany and boasting both a lengthy, tradition-steeped history and a diverse, multicultural present, the radiant city of Basle shone its character upon the work of the General Assembly. This was the first General Assembly tobe held in a cathedral – celebrating worship and conducting intensive theological debates under one roof. The cathedral itself and the rooms of the Bishop’s Palace are on a slight hill, thus offering sweeping views during breaks in proceedings of the Rhine interlinking the different countries and neighbouring regions. This special location provided a sense of broad expanse, inspiring people to think and celebrate beyond horizons, and played a major part in repeatedly revealing and manifesting the CPCE’s intrinsic unity in reconciled diversity throughout the five days everyone spent together.

The 8th General Assembly came to be symbolised by its logo – a stylised dandelion head with individual seeds flying away. The CPCE aspires to disseminate its work throughout the world. As dandelions seeds are carried away on the breeze, so should the inspiration generated by the General Assembly be transported into the member churches and European societies. At the same time, the logo also resembles a rose window, recalling Basle Cathedral as the setting for its worship and conference sessions.

Basle Cathedral had already been host to other major, international church events in the past, such as the Council during the 15th century and the First European Ecumenical Assembly in 1989. Having said that, on those occasions the participants didn’t bring laptops with them or require an Internet connection, nor were barrier-free access and safety requirements a consideration. These 21st-century criteria necessitated a lengthy planning process ahead of holding the General Assembly on this historical site and called for major high-tech adjustments. The success of the five-day WiFi-and-candlelight assembly was in no small part due to the diligence of the local directors and assistants, led by the Federation of Swiss Protestant Churches (FSPC) and the Evangelical Reformed Church of the City of Basle. It required an enormous effort to keep on switching the set-up of the cathedral between conference sessions and services of worship, to provide the necessary equipment in the groups’ rooms, including simultaneous translation, and to enable the feeding of the almost 200 delegates, guests and staff members in the »Leuenberg Café« mobile catering tent.

STEWARDS

The dedication shown by the 15 stewards for the event and the employees of Basle Cathedral ensured that holding the General Assembly at this special location was such a success. Fifteen theology students from Switzerland, Germany, Hungary, Romania, the Czech Republic and the United Kingdom volunteered to act as stewards. Led by Revered Katharina Meckbach, a former special assistant at the CPCE, they considered the topics and study documents for the General Assembly during a preconference ahead of the main event, gaining an insight into ecumenism and the theological discussions and issues currently being addressed by the Community of Protestant Churches in Europe. They presented their own contribution at the start of the General Assembly and defined their own vision of church.

WORSHIP

Working and praying; praying and working. For the duration of the General Assembly, the cathedral in Basle saw the old Benedictine tradition reflourish. Morning and evening prayers were held in the cathedral’s high choir. Tables were arranged in a council formation in the nave. The participants sang, prayed, delivered God’s word and celebrated Holy Communion right next to the wonderfully illuminated capitals of the Romanesque high choir. Listening to texts, mainly written by the Apostles, in the devotionals and during worship created incredibly intense and spiritually profound moments. They describe the beginnings of the Christian community and how the Gospel spread across the world. The exegeses repeatedly highlighted its significance for the Community of Protestant Churches in Europe and for their present situation.

This volume contains four sermons that were held at key points of the General Assembly.